Kreuz ohne Haken

„Gruppe beherzt“ neu gegründet – Markenzeichen ist gelb-pinkes Holzkreuz

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Martin Raabe (v. l.), Heiner Scholing und Martin Bürkle von der „Gruppe“ beherzt“ setzen sich für Vielfalt ein. Links steht ihr Symbol, ein gelb-pinkes Holzkreuz.

Uelzen/Ebstorf – Wer durch den Landkreis Uelzen fährt, vor allem auf den Dörfern, dem begegnet neuerdings irgendwann auch ein gelb-pinkes Holzkreuz an einem Haus oder Hof.

Es erinnert entfernt an das gelbe X gegen Atomkraft sowie Castor-Transporte aus dem Wendland und trägt die Aufschrift „Kreuz ohne Haken“ und „fUEr Vielfalt“. Dahinter verbirgt sich die neue „Gruppe beherzt“, die sich für „bunte Vielfalt und Toleranz in unseren Dörfern“ einsetzt. Rund 60 Holzkreuze stehen bereits im Landkreis.

„Einige Mitglieder unserer Gruppe in Natendorf wunderten sich über das Verhalten ihrer Nachbarn. Kurze Zeit später ging es einigen Ebstorfern auch so“, erzählt Martin Raabe. Daher wurde die „Gruppe beherzt“ im Herbst 2018 gegründet. „Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen berichteten von rechtem Gedankengut in der Schule. Wir hatten dann zunächst eine ziemliche Ratlosigkeit festgestellt“, so der Ebstorfer Raabe, dessen Team sich bei anerkannten Fachleuten zum Thema Rechtsradikalismus erkundigt habe, wie man damit umgehen solle. Raabe: „Für uns stand und steht fest: Solches Gedankengut wollen wir hier nicht.“

Heute ist die „Gruppe beherzt“ ein loser Zusammenschluss von mehr als 150 Bürgern aus dem Landkreis Uelzen, der auch viele jüngere Familien angehören. „In Deutschland gibt es ein Problem mit zunehmendem Rechtsradikalismus. Der Landkreis Uelzen ist hierzu ein Schwerpunktgebiet“, sagt Heiner Scholing, Kreistagsabgeordneter der Grünen, der der neuen Bewegung ebenfalls angehört. In Zeiten, in denen Pegida und die Identitäre Bewegung toleriert würden, erstarke auch die rechte Szene im Uelzener Raum. Laut Raabe, der früher als Seemannspastor arbeitete und seit 35 Jahren in Ebstorf lebt, kaufe die rechte Szene leer stehende Höfe auf dem Land auf. Kinder der rechten Familien stünden oft in Konflikten bei Einstellungen und historischem Wissen, wie sie es in der eigenen Familie erlernen und ganz anders im Unterricht in der Schule. Scholing: „Es ist sehr schwer, aus der rechten Szene auszusteigen.“ Die neue Bewegung wolle zeigen, dass sie für andere Werte stehe. Scholing: „Wir stehen dagegen auf. Unsere Gruppe schätzt die kulturelle Vielfalt unserer wunderbaren Region.“

Die „Gruppe beherzt“ lädt zu einer Buchlesung am Donnerstag, 15. August, 19 Uhr, in der Kulturbühne Altes Lichtspielhaus Weinbergstraße 5a, in Ebstorf ein. Die Autoren Andrea Röpke und Andreas Speit berichten aus ihrem neuen Buch „Völkische Landnahme – Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos“ im Gespräch mit dem ehemaligen Pastor Wilfried Manneke. Die beiden Buchautoren schreiben: „Lüneburg und Uelzen gelten für uns als Hochburgen Völkischen Siedelns.“ Der Eintritt ist frei.

Wer weitere Informationen zur „Gruppe beherzt“ erhalten möchte, kann eine E-Mail an Raabe schreiben, unter zwar unter beherzt@posteo.de.

VON TIMO HÖLSCHER

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