Naturwissenschaftliche Phänomene werden an Experimentier-Stationen mit Händen fühlbar

Veerßer Grundschüler erforschen Naturgesetze ganz ohne Bücher

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Veerßer Schüler begeistern sich für die Physik.

Veerßen – Normalerweise haben die Kinder jetzt Kopfrechnen, üben die korrekte Rechtschreibung, studieren ein Gedicht ein. Heute aber haben die Schüler der Grundschule Veerßen statt einem Füller eine Säge und statt einem Buntstift einen Akkuschrauber in der Hand.

Denn heute wird gezimmert und gebaut – gemeinsam mit den Eltern und den Lehrern.

„Eigentlich haben wir heute eine interne Fortbildung nur für uns Lehrer und daher ist die Schule geschlossen“, erklärt Marion Wille vom Schulvorstand. Doch kurzerhand entschloss sich die Schulgemeinde dazu, dass an dieser Fortbildung auch Eltern und ihre Kinder teilnehmen sollten, denn das Fortbildungsthema eignet sich besonders gut dafür: Es geht nämlich darum, Naturwissenschaft begreifbar zu machen: Mit Händen berühr- und spürbar.

Väter und Töchter freuen sich darüber, dass sie gemeinsam eine Experimentier-Station zusammenbauen. 

Insgesamt zehn Erlebnis-Stationen aus Holz, Plastik und Metall erschaffen an diesem Montag – während der Fortbildung – 25 Kinder und 21 Elternteile. Drittklässler zeichnen an, Väter sägen mit der Stichsäge, Mütter ziehen die Schraubzwingen an und Mädchen aus der zweiten Klasse versenken Holzschrauben. Angeleitet und instruiert werden alle von Björn Kaffenberger und Dr. Sven Sommer von „Miniphänomenta“ aus Flensburg.

Bei dem Programm steht das experimentelle, naturwissenschaftliche Lernen an Schulen im Vordergrund: „Wir fahren von Schule zu Schule und bauen dann gemeinsam mit den Lehrern die Erlebnis-Stationen auf“, erklärt Sommer. Zusätzlich gebe es natürlich didaktische Hiweise. „Das erste Mal haben wir es nun so gemacht, dass auch Eltern und Schüler mitbauen können“, erklärt Sommer weiter und Kaffenberger ergänzt: „Eltern können ja auch mehr als immer nur Kuchen backen und es ist doch einfach wunderbar, wenn sie so wie heute zusammen werken.“

Rollt die Holzkugel vor oder zurück?

Welche Kugel ist die schnellste, wenn sie über unterschiedlich gebogene Metallschienen rollen? Was passiert mit einer Holzkugel, die auf beweglichen Stangen liegt, wenn man diese enger zusammenschiebt? „Dann rollt die Kugel plötzlich bergauf“, erklärt einer der Grundschüler.

Die zehn Stationen gehen nach der Fortbildung in den Besitz der Schule über. „Wir freuen uns riesig, dass unsere Schüler dann ihre Erfahrungen an den Stationen machen können“, sagt Wille. Ermöglicht wird das Projekt durch Spenden, die unter anderem der Förderverein der Schule organisiert hat. „In nur zwei Wochen hatten wir das Geld zusammen – immerhin vierstellig“, freut sich Wille.

Im Mai wird es dann noch mal zwei Projektwochen zu den Experimenten geben, „Miniphänomenta“ wird dann weitere Stationen leihweise dazu beisteuern. Heutzutage sei vieles zu theoretisch, erklärt Sven Sommer. „Die Technik nimmt uns heute so viele Erfahrungen mit den Händen und den Sinnen ab, dass da vielen Schülern etwas verloren geht.“

Zukünftige Erfinder müssten auch im wahrsten Sinne des Wortes „begreifen“ dürfen und können.

VON ROBIN VOGT

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