Kinder- und Jugendpsychiatrie: Kreisausschuss stimmt halber Facharztstelle zu

Grünes Licht für dieses Jahr

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Wenn Kinder und Jugendliche nicht mehr weiter wissen, könnte ein Facharzt für Psychiatrie im Landkreis Uelzen künftig beratend zur Seite stehen – der Kreisausschuss will für dieses Jahr die entsprechenden Gelder dafür bereit stellen.

Uelzen. Der Kreisauschuss hat am Dienstagabend entschieden: Der Landkreis Uelzen soll dem Verein „Die Brücke e. V.“ für dieses Jahr eine halbe Facharztstelle im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) zur Verfügung stellen

und die dafür erforderlichen Personal- und Sachkosten in Höhe von 24 400 Euro übernehmen.

Lothar Heinisch, Sozialdezernent beim Landkreis Uelzen, betont auf AZ-Nachfrage, dass sich die Bereitstellung nur auf das laufende Jahr beziehe und einmalig sei. Mit ihr soll der akute Bedarf an psychiatrischer Beratung und Vermittlung abgedeckt werden. Behandlungen, so Heinisch, wären ohnehin nur über eine kinder- und jugendpsychiatrische Tagesklinik möglich. Der Dezernent verweist in diesem Zusammenhang auf derzeit beim Niedersächsischen Sozialministerium vorliegende Anträge auf Einrichtung einer eben solchen Klinik im Landkreis Uelzen.

Denn wie berichtet, haben sich die Seepark Klinik Bad Bodenteich und die Psychiatrische Klinik Lüneburg um den Betrieb einer solchen Tagesklinik mit zwölf Plätzen samt Ambulanz beworben. Landrat Dr. Heiko Blume hat dem Sozialministerium signalisiert, dass der Landkreis die Initiativen unterstütze. Denn rund 800 Kinder und Jugendliche im Landkreis, so hat das Gesundheitsamt vor Ort ermittelt, seien psychiatrisch behandlungsbedürftig. In einer seiner nächsten Sitzungen werde sich der Jugendhilfeausschuss des Landkreises damit befassen, welche Aufgaben eine kinder- und jugendpsychiatrische Tagesklinik übernehmen könnte, kündigt Lothar Heinisch an.

Derweil wollte der Hannoveraner SPD-Landtagsabgeordnete Marco Brunotte im Rahmen einer kleinen Anfrage an den Niedersächsischen Landtag wissen, warum die Anträge auf Einrichtung einer KJP-Tagesklinik in Uelzen bislang nicht positiv beschieden worden seien und wie die Landeregierung die mangelhafte psychiatrische Krankenversorgung für Kinder und Jugendliche im Landkreis verbessern wolle.

Die Anträge, so antwortete Sozialministerin Aygül Özkan, lägen seit Oktober 2011 beziehungsweise Januar 2012 vor. Eine stationäre Versorgung sei derzeit durch das Psychiatrische Klinikum Lüneburg sicher gestellt, und auch „durch die Sprechstunde für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Seepark Klinik Bad Bodenteich hat sich die Versorgungssituation in Uelzen verbessert“. Es bestünden allerdings „Anzeichen für einen Bedarf an ortsnäherer Versorgung“.

Die Anträge stünden in Konkurrenz zueinander – weswegen im Ministerium noch „erheblicher Klärungsbedarf“ vorhanden sei. Obendrein liege noch ein weiterer Antrag für eine Tagesklinik in Lüchow vor. Vor allem klärungsbedürftig seien laut Aussage der Sozialministerin „die von den Antragstellern geplanten unterschiedlichen Leistungsschwerpunkte innerhalb der Fachrichtung Kinder- und Jugendpsychiatrie“.

Im Laufe des Prüfverfahrens werde man mit beiden Bewerbern für den Standort Uelzen auch erörtern, „inwieweit ein aufwändiges Auswahlverfahren möglicherweise vermieden werden kann“. Denn sollten die miteinander konkurrierenden Anträge so bestehen bleiben, wäre in einem verwaltungsrechtlichen Auswahlverfahren zu entscheiden, heißt es aus dem Sozialministerium. In die Entscheidung flößen Aspekte zum Rechtsträger, Bedarfsfestlegungen, das medizinische Konzept, die Pesonalausstattung und das Raumkonzept sowie die Darlegung zur Finanzierung ein.

Von Ines Bräutigam

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