Großes Kino in der Kleinstadt

Ihr Name ist in Uelzen untrennbar mit dem Kino verbunden: Renate Böhm leitet engagiert das Central-Theater.

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. Die Opernpremiere in New York kann man in Uelzen live auf der Leinwand verfolgen, das Popkonzert in London sehen auch in der Uhlenköperstadt hunderte von Zuschauern – noch ist das Zukunftsmusik, stecken solche Pläne in den Kinderschuhen. Doch sie sind ein Grund dafür, warum Renate Böhm sagt: „Kino hat auch in der Kleinstadt Zukunft.“

Seit Jahrzehnten betreibt Böhm nunmehr in Uelzen das Central-Theater und sorgt so für ein Stück mehr Lebensqualität in der Uhlenköperstadt. Regelmäßig laufen hier Bundesstarts wie in den Metropolen an – in Zeiten von immer größeren Multiplex-Sälen und 3D längst keine Selbstverständlichkeit für eine Kleinstadt.

Digital und 3D waren auch die Begriffe, die Böhm vor eine Grundsatzentscheidung stellten – die Kino-Ära in Uelzen langsam ausklingen zu lassen, oder aber die Investition in die Zukunftstechnik zu wagen. Denn die Digitalisierung in der Filmbranche geht in Riesenschritten voran. „In fünf Jahren werden die Filme nur noch so angeliefert“, ist sich Böhm sicher. Dann werden keine Kopien mehr verschickt, sondern eine Festplatte, die auf den Computer im Vorführraum aufgespult wird, die Freischaltung erfolgt mit einem Code, der per E-Mail kommt.

„Wer dabei bleiben will, hat keine Wahl, sondern muss auf die neue Technik setzen“, sagt Renate Böhm. 370 000 Euro kostet sie die Umrüstung der ersten drei Säle für digitales und 3D-Kino; Geld, das man in einer Stadt wie Uelzen erst einmal wieder hereinholen muss.

Doch die Besitzerin des Central-Theaters entschied sich, den Schritt zu wagen. Zwei Kinos sind bereits umgebaut, ein drittes sollte eigentlich während der Fußball-Weltmeisterschaft umgerüstet werden, doch die Firma kam mit der Bewältigung der Aufträge nicht hinterher – 3D-Kino boomt in Deutschland.

Und auch wegen dieses neuen Seh-Erlebnisses ist Böhm fest überzeugt, dass Kino Zukunft hat. Bestes Beispiel: Toy Story 3, der diesen Donnerstag im Kino anlief und neben einer schönen Geschichte auch noch ein 3D-Erlebnis in einer neuen Dimension bietet.

„Und im Herbst kommen noch eine Menge guter Filme für verschiedenstes Publikum“, blickt Böhm voraus: Harry Potter in 3D, die Konferenz der Tiere ebenso, dazu ein weiterer Teil der Chroniken von Narnia. Auch von „Wall Street – Geld schläft nicht“ verspricht sich die Kinochefin einiges.

Dann ist auch die Durststrecke während der WM und der heißen Sommertage vergessen, an denen die Filmproduzenten vorsorglich kaum neue Streifen auf den Markt gebracht hatten und sich an manchen Tagen wenige Dutzend Zuschauer in den Sälen verloren.

Und irgendwann ist dann ja vielleicht die Metropolitan Opera New York zu Gast in Uelzen – zumindest auf der Leinwand im Central-Theater. „Internet hin oder her – Kinoerlebnis ist doch etwas anderes. Und wir haben unglaubliche Perspektiven“, schwärmt Böhm – die Begeisterung fürs Kino ist bei ihr auch nach Jahrzehnten nicht eingeschlafen.

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