Erschreckender Trend bei Jugendlichen / Fälle auch an Schulen im Kreis Uelzen

Große Gefahr „Sexting“

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Der Trend „Sexting“ ist die private Verbreitung erotischer Bilder des eigenen Körpers über Mobiltelefone. Jetzt sind gleich mehrere Fälle von „Sexting“ von minderjährigen Schülerinnen aus dem Landkreis Uelzen bekannt geworden.

Uelzen/Landkreis. Viele Eltern wird es wahrscheinlich erschüttern, von solchen Vorkommnissen zu erfahren.

Da gibt es einen neuen Trend unter Kindern und Jugendlichen, sich nackt oder halbnackt mit dem Handy in eindeutigen Posen zu fotografieren und die Bilder – teils auch ganz bewusst – in Umlauf zu bringen. „Sexting“ nennt sich das Ganze. Von Einzelfällen spricht Niedersachsens Kultusminsterin Frauke Heiligenstadt in der Öffentlichkeit. Im Landkreis Uelzen gibt es bereits solche Fälle.

„Da passiert ein noch nicht auszumachender Schaden für die Kinder“, sagt eine Beratungslehrkraft aus dem Kreis Uelzen. Aufgrund ihrer Schweigepflicht und zum Schutz der Betroffenen will die Lehrkraft anonym bleiben. Sie kennt ganz konkrete Beispiele: Zwei Mädchen im Alter zwischen 11 und 14 Jahren haben jeweils unabhängig voneinander von sich erotische Bilder mit dem Handy gemacht und diese mit der Nachrichten-App „WhatsApp“ in Umlauf gebracht. Wie ein Virus verbreiteten sich die fragwürdigen Bilder der Minderjährigen mit enormer Geschwindigkeit innerhalb der Schule. Denn jeder Schüler mit der besagten Handy-App kann empfangene Nachrichten oder Bilder binnen Sekunden einfach weiterverteilen. Das blieb auch bei den älteren Schülern an der Bildungseinrichtung nicht unbemerkt, die schließlich die Beratungslehrkraft darüber informierten.

„Das ist ein sehr heikles Thema“, sagt die Lehrkraft der AZ. „Wir suchen bei Bekanntwerden solcher Fälle zunächst nicht den Kontakt mit den Eltern, sondern erstmal mit den Schülerinnen und Schülern.“ Schließlich seien die Hintergründe für solche Taten nicht gleich transparent. „Es können dem auch traumatische Erlebnisse zugrunde liegen“, erklärt die Beratungskraft. „Oder aber schlicht ein großes Geltungsbedürfnis. Sensationslust.“

Im vorliegenden Fall leugnete ein Mädchen, die Bilder von sich gemacht und weitergeleitet zu haben.

Das andere Mädchen wollte dem Bekunden nach ihrem Freund eine Freude machen – mit dem bekannten, verheerendem Ausgang. Denn wie Empfänger mit Nachrichten und Bildern umgehen, können Absender von Handy-Nachrichten naturgemäß nicht beeinflussen.

Das Internet vergisst nicht, weiß auch die Beratungslehrkraft. „Später wundern sich die Betroffenen, warum sie nie zu Bewerbungsgesprächen eingeladen werden“, fällt als Beispiel. Denn auch wenn von den Beteiligten nach Bekanntwerden eines „Sexting“-Zwischenfalls an Schulen die Löschung der Fotos verlangt werde – wirklich sicher sein kann man nicht, dass nicht doch noch irgendwo eine Kopie der Fotos existiert.

Alles ein Einzelfall, wie Kultusministerin Heiligenstadt es darstellt? „Nein“, betont die Vertrauensperson gegenüber der AZ. „Als Beratungslehrkraft tausche ich mich regelmäßig mit Pädagogen anderer Schulen aus dem Landkreis Uelzen aus. ‘Sexting’ ist kein Einzelfall!“

Von Michael Koch

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