Katholiken und Protestanten aus dem Landkreis zum Rücktritt des Papstes

„Großartiger Mann“

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Keine offiziellen Termine mehr. Der Papst Benedikt XVI hat gestern seinen Rücktritt angekündigt.

Uelzen. Der Papst Benedikt XVI hat gestern seinen Rücktritt angekündigt. Er wolle sein Amt aus gesundheitlichen Gründen zum Ende des Monats Februar niederlegen, sagte er gestern. Vertreter der Kirche im Landkreis zeigten sich überrascht.

Dass die Ankündigung des Rücktritts aus heiterem Himmel geschah, zeigen die Reaktionen der Kirchenvertreter. Pater Piotr Stepniak, Leiter der katholischen Gemeinde Zum Heiligen Erlöser, erreichte die Nachricht zwischen Tür und Angel: „Für mich ist das eine große Überraschung“, meinte er, „seine Gründe sind für mich aber verständlich. Er wirkte auf mich aber intellektuell sehr fit.“ Pater Piotr führt beispielsweise die drei Bücher an, die der Papst geschrieben hatte. „Dass ein Mann in dem Alter solche Bücher schreibt, erfüllt mich mit Respekt“, so der Pater, „Für mich war er eine große Persönlichkeit und ein kluger Theologe.“ Benedikt XVI. habe die Gefahren für die Kirche gesehen und Christen viele Impulse gegeben, „sodass wir unseren Glauben ernst nehmen und uns klar werden, was der Glaube für uns bedeutet“, so Pater Piotr. Einen klugen, gläubigen Menschen wünsche er sich jetzt als Nachfolger: „Ich werde beten, dass Gott uns einen Menschen schenkt, der würdig und verantwortungsvoll ist.“

Heinrich Bergel, Mitglied der katholischen Gemeinde und des Kirchenvorstandes, hat gestern lange vor Radio und Fernseher verbracht. „Das kann man erst in ein paar Tagen verinnerlichen“, sagt Bergel betroffen, und stellvertretend für den Kirchenvorstand will er deshalb nicht reden. Persönlich hingegen ist er voll des Lobes für den scheidenden Papst. „Ich empfinde tiefen Respekt und Dankbarkeit vor dem Mann“, sagt er. In der Kirche bemerke er Betroffenheit über die Ankündigung aus Rom. Benedikt XVI. sei „ein ganz, ganz großartiger Mann.“

Gefallen hatte Bergel, wie der Stellvertreter Gottes auf Erden auf andere Weltreligionen zugegangen ist. „Soviel ich weiß, war er der erste Papst, der eine Synagoge in Deutschland betreten hat“, so Bergel, außerdem sei er nach seiner missverstandenen „Regensburg-Rede“ auf den Islam zugegangen. Vor allem lobt Bergel die Intelligenz des Papstes. „Es genügt nicht, katholisch zu sein, etwas Intelligenz gehört auch dazu“, zitiert er Papst Johannes XXIII. „Nun bin ich gespannt, wer der neue wird. Vielleicht wird es jemand aus Afrika oder Südamerika“, meint der Katholik. Aber ob aus Europa oder nicht, alt oder jung: „Ich wünsche mir einen, der so wie Benedikt XVI erzählen kann, warum er glaubt.“

Der Propst der evangelischen Kirche des Kirchenkreises Uelzen, Jörg Hagen, hält den Rücktritt des Papstes für einen „mutigen, guten Schritt“. Wenn man aus gesundheitlichen Gründen merke, dass man sein Amt nicht mehr ausüben kann, dann sei das ein „Zeichen guter Selbsteinschätzung“. Es zeige, dass man der Zukunft der Kirche nicht im Weg stehen will.

Ob der neue Papst deutlich jünger sein sollte als Benedikt XVI., dazu äußerte sich Hagen nicht eindeutig. Ein Papst müsse generell eine gute Mehrheit in der Konklave haben. Das könne auch durchaus ein älterer Mann sein, der eine gewisse Weisheit mitbringt. „Es muss aber jemand sein, der ein Gespür hat für die Entwicklung der Welt und der Kirche“, so der Propst.

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Von Kai Hasse

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