Er muss 3000 Euro Geldstrafe zahlen

Die Grenze zum Missbrauch: Erziehungsbeistand „verliebt sich“ in Mädchen

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Vor dem Landgericht in Lüneburg muss sich gestern ein Sozialpä-dagoge verantworten. Die Anklage: sexueller Missbrauch.

Lüneburg/Uelzen. Was ist sexueller Missbrauch? Und was eine Liebesbeziehung? Die Grenzen zieht gestern das Landgericht in Lüneburg.

Nach Einlassungen des wegen sexuellen Missbrauchs angeklagten Sozialpädagogen in drei Fällen: „Ich hatte mich verliebt und wusste genau, dass ich das nicht darf“, erklärt er. 2009 hat er sich im Wissen, etwas Verbotenes zu tun, trotz allem mehrfach in das Bett einer damals 14-Jährigen aus dem Kreis Uelzen gelegt, der er als Erziehungsbeistand zur Seite gestellt worden war.

Aus der Nähe von Angeklagtem und Opfer entsteht später eine Liebesbeziehung – zu einem Zeitpunkt, als der Angeklagte nicht mehr Erziehungsbeistand des inzwischen 16-jährigen Mädchens war. Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft für diese Zeit weitere sechs Fälle von sexuellem Missbrauch angeklagt, vom Landgericht waren sie aber nicht zugelassen worden (AZ berichtete). Verteidiger Volker König unterstreicht gestern noch einmal, dass diese Zeit „nicht strafbewehrt“ gewesen sei – und er will, dass auch die drei ersten Fälle nicht zu einer Verurteilung führen.

Doch da macht die Staatsanwältin nicht mehr mit: „Die Schwelle ist eindeutig überschritten.“ Zwar seien die angeklagten Taten an der unter-sten Schwelle von sexuellen Handlungen anzusehen – es kam zu Streicheleinheiten sowie Küssen an Ohrläppchen und Hals –, doch es gebe gesetzliche Vorschriften, die Minderjährige genau davor schützen sollen, etwas für einen Erwachsenen zu empfinden, zu dem ein Vertrauens- oder Abhängigkeitsverhältnis besteht.

Der Angeklagte, der in Uelzen zunächst in einem Betreuungsbüro gearbeitet und sich dann mit einem eigenen Büro im Nachbarkreis Lüchow-Dannenberg selbstständig gemacht hatte, zog schließlich „selbst die Reißleine“, wie er darstellt. Er beendete die Beziehung und arbeitet heute nicht mehr in einem Bereich, in dem er mit Jugendlichen zu tun hat. Ungeachtet dessen aber hat er sich für die Fälle, bei denen er Beziehungsbeistand tätig war, vor Gericht zu verantworten. Das Opfer tritt gestern als Nebenklägerin auf und ihr juristischer Beistand erklärt: Für einen Sozialpädagogen mit einer psychologischen Ausbildung, wie sie der Angeklagte vorzuweisen habe, sei es ein Leichtes, einen jungen, wegen einer persönlichen Krise gar labilen Menschen mit Manipulationen zu instrumentalisieren. „Völlig gedankenlos ließ der Angeklagte jegliche professionelle Distanz vermissen, sodass das Leben meiner Mandantin einen veränderten Verlauf genommen hat.“ Das Urteil im Prozess: 3000 Euro Geldstrafe.

Von Angelika Jansen

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