Vorgaben zu Gebäudegestaltung: Stellungnahmen von Uelzenern liegen vor

„Gratwanderung“ für die Innenstadt

Der Innenstadtbereich mit der St.-Marien-Kirche und den Marktstraßen. Für den Stadtkern ist eine Gestaltungssatzung geplant. Die Uelzener hatten nun die Möglichkeit der Stellungnahme.
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Der Innenstadtbereich mit der St.-Marien-Kirche und den Marktstraßen. Für den Stadtkern ist eine Gestaltungssatzung geplant. Die Uelzener hatten nun die Möglichkeit der Stellungnahme. 

Uelzen – Sie ist nicht unumstritten: Die geplante Gestaltungssatzung für den Uelzener Innenstadtbereich, mit der der Erhalt von historischen Gebäuden sichergestellt werden soll und mit der die Kommune auch mehr Einfluss auf das Erscheinungsbild auf Straßenzüge nehmen will.

Nach Wochen, in denen sich Uelzener schriftlich zum Satzungsentwurf äußern konnten, sichtet nun die Stadtverwaltung die eingegangenen Stellungnahmen. „Gut zehn“ Zuschriften habe es gegeben, erklärt Stadtsprecherin Sandy Naake.

Zumeist setzten sich die Stellungnahmen konstruktiv mit dem Satzungsentwurf auseinander, so Naake. Änderungsvorschläge habe es beispielsweise zur zulässigen Tiefe von Vordächern gegeben. Mit der Satzung sollen Vorgaben zur Gestaltung von Dächern und Fassaden gemacht werden.

Auch Kritik wurde geäußert, – wie berichtet, beklagt beispielsweise der Verein „Haus und Grund“, der die Interessen von Hauseigentümern vertritt, dass zu sehr auf Gestaltungsfragen geachtet, und dabei Klimaschutzbelange sowie die Wirtschaftlichkeit vernachlässigt werde.

Die Stadt schließt nicht aus, dass es noch zu Änderungen in der Satzung kommen wird. Einer eingerichteten Arbeitsgruppe, die mit Politik, Verwaltung, Stadtmarketing und Vereinen besetzt ist, würden dann diese Änderungen vorgestellt, so Naake. Es sollen dann auch ein zweites Mal die Uelzener angehört werden.

Letztlich entscheiden über die Satzung wird die Politik. Klare Kritik an der Gestaltungssatzung geübt hatte bereits die Fraktion „WIR für Uelzen“, die beklagt, dass Hauseigentümern viel zu viele Vorgaben gemacht werden sollen.

Ralf Munstermann, Vorsitzender der UWG-Fraktion im Rat, spricht von einer Gratwanderung, auf die man sich mit der Gestaltungssatzung begebe. Wie stark würden womöglich Hauseigentümer eingeengt und Stadtentwicklung verhindert? Andererseits stelle die Stadt mit der Satzung auch sicher, dass in empfindlichen Bereichen nicht einfache Zweckbauten hochgezogen würden. Er erinnert beispielsweise an den Getränkemarkt unmittelbar neben der historischen Außenmühle. Karl-Heinz Schmäschke (Gruppe aus Grünen, FDP, Linke, Piraten) erklärt, dass die Gestaltungssatzung ein Instrument sei, mit dem das Stadtbild gesichert werden könne. Er ärgert sich beispielsweise maßlos über die digitale Werbetafel an der Mühlenstraße. Und: Die Satzung enge nicht nur Hauseigentümer ein, sie schütze sie auch. „Wenn ich mein historisches Haus ordentlich saniere, muss ich nicht befürchten, dass mein Nachbar achtlos bei der Sanierung seines Hauses vorgeht“, so Schmäschke.

Aber wie detailliert muss eine solche Satzung sein? „Ich weiß nicht, ob wir noch die Farbe der letzten Gardine vorgeben müssen“, meint Klaus Knust, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Rat. Eine Beratung der Fraktion über die Satzung stehe aber noch aus. Auch die CDU-Fraktion will noch zur Satzung beraten, wie deren Vorsitzender Markus Hannemann sagt. Er sagt vorab: Ziel soll nicht sein, dass Hauseigentümer und Gewerbetreibende es künftig schwerer haben, ihren Geschäften nachzugehen und die Gebäude zu unterhalten. VON NORMAN REUTER

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