Aus dem Gericht: Staatsanwältin glaubt Angeklagtem nicht

50 Gramm Marihuana: „Er hat das nur ausgetestet“

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50 Gramm Marihuana sind keine unerhebliche Menge. Der 19-Jährige behauptet aber, das Kiffen nur mal ausprobiert zu haben.

Uelzen – Vor dem Amtsgericht Uelzen gibt sich R. als aufgeklärter, junger Mann. „Er hat das nur ausgetestet“, lässt sein Verteidiger verlauten und meint damit rund 50 Gramm Marihuana, die bei dem 19-jährigen aus der Gemeinde Suderburg im vergangenen Sommer auf dem Weedbeat-Festival bei Hildesheim gefunden wurden – alles angeblich Eigenbedarf.

„Wie viel konsumieren sie derzeit?“, fragt Richterin Claudia Hagemann. R. behauptet: „Nichts mehr, seit dem Vorfall.“ Weiter möchte sich der Angeklagte nicht zu den Vorwürfen äußern, räumt die Tat aber durch seinen Verteidiger ein.

Der Auszubildende lebt noch zuhause bei seinen Eltern, ist aktiv bei der Feuerwehr und den Pfadfindern. „Bei der Tat war er 18 Jahre alt. Ich schlage eine Ermahnung vor“, erklärt die Jugendgerichtshelferin.

Richterin Claudia Hagemann könnte sich durchaus vorstellen, das Verfahren unter Geldauflage einzustellen, weil R. nicht vorbestraft ist. Das sieht die Staatsanwältin jedoch anders: „Da habe ich Bauchschmerzen.“ Sie hält 50 Gramm Marihuana zum Ausprobieren – in drei verschiedenen Behältern – für zuviel. Auch der sichergestellte Vaporizer deute darauf hin, dass R. durchaus Erfahrung im Kiffen hat. Sie schlägt fünf Termine bei der Drogenberatung und eine Geldauflage von 500 Euro vor.

„Er arbeitet in seiner Ausbildung. Soll er ein oder zwei Mal die Woche hier in die Drogenberatung kommen? Was wollen Sie damit erreichen?“, entgegnet R.s Verteidiger. „Ich habe den Angeklagten so verstanden, dass er in einer Beratung keinen Sinn sieht. Dann sind solche Gespräche von vornherein zum Scheitern verurteilt“, erklärt Claudia Hagemann.

Dem pflichtet der stumme Angeklagte nickend bei. Die Richterin entscheidet, das Verfahren gegen eine Geldauflage von 250 Euro einzustellen. Claudia Hagemann lässt den jungen Mann aber nicht ohne eine eindringliche Ermahnung gehen: „Wir haben hier reihenweise Jugendliche sitzen – jünger als Sie – , die auf der Straße leben.“ In eine Abhängigkeit zu rutschen passiere schneller, als man denkt.

VON SANDRA HACKENBERG

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