AZ-Ausstellung: Waldemar Nottbohm illustriert fiktive Reise-Schilderung, Uwe Krol liest vor

Mit Goethe auf der Elbe

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Zwei Künstler unter sich: Waldemar Nottbohm (links) und der Uelzener Georg Lipinsky.

Uelzen. Es ist die 195. AZ-Ausstellung im Keller der Bücherei für Stadt und Kreis Uelzen an der St. Marienkirche. Für den, dessen Bilder hier zu sehen sind – so hebt Horst Hoffmann in seiner Begrüßung in dem Ausstellungsraum hervor – ist es bereits das vierte Mal.

Bereits 1963 hingen Bilder von Waldemar Nottbohm an den Wänden der Bücherei. 2001 zeigte er zum ersten Mal im Rahmen einer AZ-Ausstellung seine Werke. „Im Wald und auf der Heide“ war die Bilderschau damals betitelt.

Heute sind es 132 einzelne Skizzen voller Dynamik, Heimatliebe und Gefühl, für die Nottbohm auf den Spuren des Buches „Goethe und Eckermann auf der Elbe“ in seinen Fundus gegriffen hat – detailgetreue und mit Sinn für das Wesentliche skizzierte, markante Gebäude oder Teile derselben und Landschaften hat er zusammengetragen.

132 einzelne Skizzen voller Dynamik, Heimatliebe und Gefühl werden bei der aktuellen AZ-Ausstellung gezeigt.

Goethe soll diese Reise im September/Oktober des Jahres 1825 mit seinem getreuen Sekretär von Eckermann unternommen haben. Herausgefunden hat das Ludwig Gerisch, der damalige Vorsitzende des Museumsvereins Hitzacker, im Jahre 1999 – es war mal wieder ein Goethe-Jahr, da der große Dichter 1749 geboren und zu seinem 250. Geburtstag überall groß mit Festen seiner gedacht wurde. Gerisch ermittelte, dass es keine Eintragung gab, was Goethe und Eckermann im Oktober 1825 getan haben. Flugs setzte er sich hin und schrieb ein Skript in dem Stil, von dem er annahm, dass Goethe so geschrieben haben könnte. Herausgekommen ist ein kleines Büchlein über die fiktive Reise Goethes von Weimar bis Winsen.

Uwe Krol, der von sich selbst sagt, er sei „nur die geliehene Stimme“ des im vergangenen Jahr verstorbenen Autors, liest einzelne Passagen der von Gerisch nachempfundenen Elbreise. Mit ausdrucksvoller Stimme schildert er den Beginn der Reise in Torgau und lässt sich über Hitzacker aus.

„Sie bereiten hier als übliches Mahl ein zähes Fleisch in einer gallertartigen Masse, welches sie Sauerfleisch zu nennen belieben.“ Viermal legt Gerisch dem alten Dichterfürsten allein in diesem Text über die Inselstadt zwischen Jeetzel und Elbe das Wörtchen „gleichwohl“ in den Mund … nun ja, es ist halt nur ein nachempfundener Goethe.

Waldemar Nottbohm schildert anschließend die Tour aus seiner Sicht als Künstler. Er beginnt in Weimar, erreicht in Torgau die Elbe, lässt Wittenberg Revue passieren, Dessau und Magdeburg. Kurz erwähnt werden Jerichow, Tangermünde, Werben und Sandau, der unbedeutende Ort am rechten Elb-Ufer, der noch am letzten Tag des Zweiten Weltkrieges von den Alliierten am anderen Elbufer in Grund und Boden geschossen wurde, weil die Sandauer keine Boote zum Übersetzen schicken wollten.

Zu Hitzacker fallen Nottbohm die sommerlichen Musiktage ein – „mehr haben wir da nicht.“ Die Burg zu Lauenburg, so weiß er, ist mit Steinen der alten Burg von Artlenburg erbaut und er schließt: „Mich haben nicht nur die Steine interessiert – so kommt das eine zu dem anderen.“

Nottbohms Kleinformate sind im Rahmen der AZ-Ausstellung noch bis zum 15. Juli während der Öffnungszeiten der Stadtbücherei zu sehen.

Von Folkert Frels

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