Uelzener hat ein Buch über das Werbematerial asiatischer Monsterfilme verfasst

Auf Du und Du mit Godzilla

Trotz seiner Leidenschaft für fernöstliche Monster ein ganz bodenständiger Typ: Detlef Claus schlägt in seinem neuen Buch die Seite mit seiner Lieblingsfigur Godzilla auf. Fotos: Wendlandt

Uelzen. Sie heißen Godzilla, Gamera und Mothra, tragen furchterregende Zacken, Fühler oder Flügel an ihrem Körper, speien Feuer und wollen Japan in Schutt und Asche legen: Die Rede ist von den apokalyptisch anmutenden Monstern in asiatischen Horrorfilmen.

Doch wovor sich so mancher Zuschauer gruselt, sorgt bei Detlef Claus für echte Begeisterung. Der 47-jährige Uelzener ist deutschlandweit der wohl bekannteste Experte für dieses Film-Genre und hat jetzt – nach neun Jahren Arbeit – sein zweites Buch zu diesem Thema veröffentlicht. Es heißt „Asiatische Monster und Science-Fiction-Filme: Das deutsche Werbematerial von 1956 – 2011“.

Das Buch kostet 99,90 Euro und wird über den Münchner Belleville-Verlag vertrieben.

Auch wenn sein Hobby ziemlich aus dem Rahmen fällt, ist Claus alles andere als ein Freak. Schließlich hat er einen äußerst bodenständigen Beruf: Er ist als selbstständiger Unternehmensberater mit Schwerpunkt Einbauküchen tätig. Wie kommt so jemand nun dazu, sich für Horrorfiguren zu begeistern? „Ich liebe diese Filme schon seit meiner Kindheit und Jugend“, erklärt er lächelnd. Seinen ersten asiatischen Monsterfilm erlebte er 1973 im Uelzener Kino. „Das fand ich so faszinierend, dass ich mir von da an alles ansah, was es in dieser Richtung im Kino zu sehen gab“, erzählt Claus. Zugleich wuchs in ihm der Wunsch, Bilder und Poster dieser Filme zu sammeln – speziell das deutsche Werbematerial von Kinofilmen, Videos und DVDs.

Viele Plakate kaufte er nach den Vorstellungen in den Kinos, andere auf Treffen von Filmfans in der ganzen Welt, unter anderem in Italien und den USA. Zwei Jahre lang war er auf allen Filmbörse in Deutschland unterwegs – von Hamburg bis München. „Ich bin eben Sammler aus Leidenschaft“, gibt Claus, der von 1982 bis 1986 Filmvorführer im ehemaligen „Capitol“-Kino an der Dieterichsstraße in Uelzen war, unumwunden zu. Von mehr als 1500 Abbildungen aus deutschen Filmverleihen fehlen ihm mittlerweile nur noch ganze vier. Das hat sich auch bundesweit herumgesprochen, und so drehte der TV-Sender Arte vor sieben Jahren einen Filmbericht über Claus.

Am meisten fasziniert ihn die Detailtreue der japanischen Monsterfilme, die schon seit 1954 gedreht werden. „Für die Aufnahmen wurden richtige Miniaturstädte nachgebaut, alles sieht sehr realistisch aus“, sagt Claus, der trotz seiner Faszination für jene Monster noch niemals in Japan war.

Doch muss er über die skurrilen Wesen und Filmtitel wie „Goke – Vampir aus dem Weltall“, „King Kong gegen Godzilla“ oder „Die fliegenden Monster von Osaka“ manchmal nicht selber lachen? Claus schüttelt den Kopf: „Nein, die Filme werden in Japan nicht augenzwinkernd oder als Spaß betrachtet, sondern sind absolut ernsthaft“, betont er. Auf diese Weise verarbeiten die Japaner filmisch ihr Trauma aus dem Zweiten Weltkrieg, als das Land mit Atombomben angegriffen wurde. Daher betrachteten die Japaner das Monster Godzilla auch als ihren Beschützer: Es schlägt fremde Angreifer beherzt in die Flucht.

Von den Abenteuern jener Monster handelt auch das erste Buch, das Claus im Jahr 1998 unter dem Titel „Godzilla, Gamera, Gappa“ veröffentlicht hat und das etwa 2000 Mal verkauft wurde. Ein Ende seines Sammelfiebers ist übrigens nicht abzusehen. Und so schließt der Uelzener nicht aus, irgendwann einmal ein drittes Buch zu schreiben.

Seinen vierjährigen Sohn Leo hat die Leidenschaft für die asiatischen Figuren übrigens auch schon erfasst. „Mit zweieinhalb Jahren kannte er bereits alle Namen der Monster“, erzählt Claus stolz. Klar, dass Leo auch schon eine ganze Reihe asiatischer Spielfiguren besitzt. Einen Film von Godzilla und Co. darf er aber noch nicht sehen. „Das hat noch Zeit“, meint Claus schmunzelnd.

Von Bernd Schossadowski

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare