Nach erfolgreicher Vermarktung: Kreis plant schon nächsten Schritt / Stelle für Digitalisierung

Glasfasernetz – und dann?

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Jetzt steht fest: In allen unterversorgten Gebieten des Landkreises wird Glasfaser verlegt.

Uelzen/Landkreis. Das Glasfasernetz wächst: Kabel werden derzeit in der Gemeinde Bienenbüttel in Steddorf, Niendorf und Edendorf gezogen, im Bereich Bad Bevensen erfolgt ebenfalls bereits der Ausbau und in der Gemeinde Wrestedt rollen die Maschinen unter anderem bei Klein London.

Klar ist seit Ende der vergangenen Woche, dass der gesamte Landkreis, wie berichtet, mit Glasfaser-Technologie erschlossen wird – jeweils in den Orten und an Straßen, die als unterversorgt gelten und wo ein Anschluss gewünscht wird. Beim Aufbau des Glasfasernetzes will es der Landkreis jedoch nicht belassen: Er will einen nächsten Schritt gehen – all die Potenziale, die hohe Datenübertragungsraten ermöglichen, sollen ausgeschöpft werden. Dafür nimmt er weiteres Geld in die Hand und bekommt auch finanzielle Unterstützung der Leader-Region.

Wo kann die Glasfaser-Technologie helfen, die Lebenssituation der Menschen zu verbessern? Wo wird bereits mit der Digitaltechnik gearbeitet und lässt sich das ausbauen? Das sind Fragen, die eine Koordinierungsstelle für „Digitale Entwicklung“ beantworten soll, deren Mitarbeiter, so fasst es der Landkreis zusammen, als „Motor für die Digitalisierung der Region“ gedacht ist.

Für die ersten beiden Jahre wurden Personalkosten von 120 000 Euro veranschlagt. Der Landkreis kann mit einer Förderung durch die Leader-Region rechnen: 57 600 Euro sollen als Anschubfinanzierung an den Landkreis fließen. Mit dem Leader-Programm, das aus EU-Mitteln gespeist wird, „sollen gute Lebensbedingungen für die Menschen geschaffen werden“, schildert Christiane Kania-Feistkorn vom Regionalmanagement zum Leader-Programm. Und mit der Digitalisierung ließe sich der Alltag einfacher gestalten – gerade im ländlichen Raum.

Wenn Ärzte auf dem Land rar werden, wenn nicht mehr in jedem Ort ein Supermarkt zu finden ist oder wegen der demografischen Entwicklung Schulen geschlossen werden, kann die Glasfasertechnologie einen Beitrag dazu leisten, dass es nicht zu einer Landflucht kommt, hatte im vergangenen Jahr Gerard Swarat vom Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering in Bad Bevensen bei einer Veranstaltung zur Digitalisierung erklärt. Unterricht vor dem Bildschirm, ein Ärztegespräch via Internetkamera – alles durchaus denkbar. Inzwischen hat der Landkreis auch ein Projekt zum Aufbau einer digitalen Plattform für Patientendaten angeschoben, über die Untersuchungsergebnisse von Kliniken, Apotheken und Therapeuten abgerufen werden können.

Der Landkreis wartet noch auf die Papiere des Amtes für regionale Landesentwicklung in Lüneburg, das noch sein Einverständnis für die Leader-Förderung geben muss, bevor eine Ausschreibung für die Koordinierungsstelle „Digitale Entwicklung“ erfolgen kann, wie Kreissprecher Martin Theine sagt. Man hoffe, noch vor dem Start der Sommerferien Ende Juni tätig werden zu können.

Von Norman Reuter

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Kreisbewohner sagen Ja zur Zukunft

Die Menschen blicken auf ihre Bildschirme, sie kaufen und kommunizieren mithilfe des Internets. Ob das nun gut oder schlecht ist – Fakt ist: Wir leben in einer vernetzten Welt, und die Digitalisierung eröffnet immer neue Möglichkeiten. So steht sie für die Zukunft; und wer die Voraussetzungen dafür nicht schafft, wird bald „abgestöpselt“ sein. Erkannt wurde das auf Bundesebene, allein die hehren Ziele werden verfehlt – auch weil es zu einem Marktversagen kommt. Die Technik kostet, und Unternehmen fragen sich: Was lässt sich erwirtschaften? Im Kleinen ist aber das Kunststück gelungen, schnelles Internet in die Fläche zu bringen. Das kostet auch, ohne Frage: Mehr als 100 Millionen Euro für das Glasfasernetz. Und Haushalte zahlen monatlich für die Nutzung; sie haben aber erkannt, wie bedeutsam die Technologie für sie, für ihren Alltag ist. So wurde die Anschlussquote von 60 Prozent in den Ausbaugebieten ein aufs andere Mal erreicht – die Menschen im Kreis haben sich für die Zukunft entschieden; und Politik und Verwaltung hatten vorab erkannt, welche wichtige Rolle einmal das Internet haben würde. Immerhin wurde das Projekt vor Jahren angeschoben. Dass nun auch alle Potenziale der Technologie ausgeschöpft werden sollen, ist nur folgerichtig. Damit der Landkreis das wird: ein Ort der Zukunft.

Von Norman Reuter

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