Neue Leiterin und „Zukunftskonzept“ für Archiv / Bedenken in der Kultur-Szene

Gibt die Stadt Uelzen ihr „Gedächtnis“ auf?

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Der Stadtumriss Uelzens vor dem Brand im 16. Jahrhundert – Archäologen gehen davon aus, dass die Stadtplaner bei der Konstruktion andere Hansestädte vor Augen hatten.

Uelzen. Droht der ganz große Gedächtnisverlust in der Hansestadt Uelzen? Muss man künftig möglicherweise nach Hannover fahren, um historische Dokumente aus der Uhlenköperstadt auswerten zu können? Schenkt man einer Resolution der Historischen Arbeitsgemeinschaft des Museums- und Heimatvereins des Kreises Glauben, ist die Antwort ein klares Ja.

Von der neuen Archivleiterin Dr. Christine Böttcher, suggeriert die Resolution, habe man erfahren, dass die Stadt vorhabe, das Archiv aufzulösen und aus Kostengründen in das Landesarchiv in Hannover zu integrieren.

Dr. Christine Böttcher

Es regt sich Protest. Die Namen dutzender Mitglieder der Historischen Arbeitsgemeinschaft zieren die Erklärung, in der es unter anderem heißt: Das Stadtarchiv sei das „kulturelle Gedächtnis der Stadt“ und es an das Niedersächsische Landesarchiv abzugeben, könne keine Lösung sein. Gerühmt wird unter anderem der ehemalige Stadtarchivar Dr. Erich Woehlkens, der originale Aufzeichnungen des Uelzener Ratsherrn Tile Hagemann wiederbeschaffte. Diese schilderten das städtische Leben Ende des 16. Jahrhunderts – „keine andere Stadt“, heißt es in der Resolution, „besitzt eine ähnliche Quelle“. Erinnert wird vor dem Hintergrund des neuen Uelzener Selbstverständnisses als Hansestadt auch an Akten des Uelzener Hansetages von 1470, die bei der Verleihung des modernen Titels eine bedeutende Rolle gespielt haben.

Ein Aufgeben des Stadtarchivs wird von der Stadt nicht bestätigt. Nach dem Wechsel in der Leitung von Wiebke Winkler zu Christine Böttcher – sie leitet auch das Archiv des Landkreises – befinde sich das Stadtarchiv lediglich „in Bewegung“. Man wolle auch vor dem Hintergrund einer Besucherstatistik aus 2016 – mit dem Ergebnis von 154 Nutzern in elf Monaten – ein „Zukunftskonzept“ erstellen.

Nötig seien Veränderungen auch, so Stadtsprecherin Ute Krüger, aufgrund von Platzmangel im Archivkeller und um den Bestand zu strukturieren. Gekürzt wurden bereits die Öffnungszeiten des Archivs. Weitere Schritte werden sich aus einer Analyse ergeben, die derzeit erfolgt. In diese ist das Landesarchiv mit seiner stellvertretenden Leiterin eingebunden. „Sobald belastbare Ergebnisse vorliegen, werden diese mit der Politik erörtert“, umreißt Krüger die weitere Perspektive.

Von Steffen Kahl

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