Auch im Landkreis Uelzen klagt ein Grundeigentümer auf Ausweisung eines befriedeten Bezirks

Gewissensprüfung für Jagdgegner

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Jäger auf dem Hochsitz. Obwohl es so viele Jäger gibt wie noch nie, ist die Jagd in Teilen der Gesellschaft umstritten. Für sogenannte befriedete Bezirke gelten aber hohe Hürden.

Uelzen/Landkreis. Jagd polarisiert. Auf der einen Seite gibt es so viele Jäger wie nie zuvor. Viele von ihnen sehen sich als aktive Naturschützer. Auf der anderen Seite ist das Töten von Wildtieren in der Gesellschaft zunehmend umstritten.

Gerade hat eine Frau vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg erstritten, dass ihr kleiner Grundbesitz, knapp vier Hektar Wald und Wiesen in der Nähe von Thomasburg, zum befriedeten Bezirk erklärt werden darf (AZ berichtete). Im Landkreis Uelzen gibt es noch keinen solchen Bezirk, auf dem die Jagd ausgeschlossen ist. Vor dem Landgericht Lüneburg ist aber aktuell eine Klage auf Einrichtung eines befriedeten Bezirks gegen den Landkreis anhängig. Das teilt Kreis-Sprecher Martin Theine auf AZ-Nachfrage mit.

„Grundflächen, die zu einem gemeinschaftlichen Jagdbezirk gehören und im Eigentum einer natürlichen Person stehen, sind auf Antrag des Grundeigentümers zu befriedeten Bezirken zu erklären (Befriedung), wenn der Grundeigentümer glaubhaft macht, dass er die Jagdausübung aus ethischen Gründen ablehnt“, heißt es seit Dezember 2013 im Paragraf sechs des Bundesjagdgesetzes. Bedingung ist, dass der Antragsteller keinen Jagdschein besitzt.

Allerdings ist das kein Freifahrtschein für Jagdgegner mit Grundbesitz. Im Februar 2016 hat das gleiche Verwaltungsgericht die Ausweisung von knapp sieben Hektar Wald und Heide als befriedeten Bezirk abgelehnt. Die Klägerin hatte eine frühere Klage 2011 damit begründet, dass eine Schießerlaubnis die Sicherheit auf dem Grundstück störe und das Leben von Menschen gefährde. Nun argumentierte die Erbengemeinschaft mit Gewissensgründen. Das nahmen ihr die Richter nicht ab. „Für ethische Gründe im Sinne des Paragrafen 6a Bundesjagdgesetz genügt nicht jede schlichte und pauschale Behauptung oder allgemeine Berufung auf ethische Motive“, hieß es in der Urteilsbegründung. Das sei eher anzunehmen, wenn die Kläger grundsätzlich auf tierische Produkte verzichteten oder sich in einem Tierrechtsverein engagierten. „Keine Gewissensentscheidung ist jedoch anzunehmen, wenn die Jagd nur aus politischen Erwägungen über die Sinnhaftigkeit der Jagd abgelehnt wird.“

Abgelehnt werden könnte der aktuelle Antrag auch, wenn erheblich mehr Wildunfälle und Wildschäden drohen. „Wenn Grundeigentümer ihre Flächen aus der Bejagung nehmen beziehungsweise immer mehr Grundstücke jagdbezirksfrei wären, wäre keine flächendeckende Bejagung mehr möglich – mit der Folge, dass Wildschäden in der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft nicht mehr ausreichend verhindert werden könnten. Ebenso wäre dann der Schutz vor Tierseuchen nicht hinreichend gesichert“, erläutert Theine. „Liegen jagdfreie Flächen an Hauptverkehrsstraßen, kann es vermehrt zu Wildunfällen kommen. Auch Naturschutz und Landschaftspflege könnten beeinträchtigt werden.“

Von Gerhard Sternitzke

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