Training für den Castor-Transport: Teilnehmer üben Sitzblockaden im Gemeindehaus von St. Petri

Gewaltfrei gegen gefährliche Fracht

Zuerst die Theorie: Jürgen Fahrenkrug weist die Teilnehmer des Trainings im St.-Petri-Gemeindehaus in das richtige Verhalten bei Sitzblockaden ein. Trotz allen Widerstandes ist die körperliche Unversehrtheit dabei das oberste Ziel. Fotos: Ph. Schulze

Uelzen. Wie sie entschlossen, aber gewaltfrei gegen den für diese Woche geplanten Castor-Transport nach Gorleben Widerstand leisten können, das lernten am Sonnabend die Teilnehmer eines speziellen Trainings im Gemeindehaus der Uelzener St. -Petri-Kirche.

Sie bereiteten sich dort unter Anleitung von Trainer Jürgen Fahrenkrug auf die geplanten Demonstrationen entlang der Transportstrecke und auf Sitzblockaden vor.

Die feste Überzeugung, dass Atomkraft eine Gefahr für die Menschen bedeutet, begleitet die Aktivisten auf dem Weg vom friedlichen Demonstrieren zum gewaltfreien Widerstand. „Ich habe in den letzten Jahren immer wieder an Demonstrationen teilgenommen“, erzählt eine Teilnehmerin des Trainings, die ihren Namen allerdings nicht in der Zeitung lesen möchte. „Ich stelle mir jedes Mal die Frage: Nützt das was?“, sagt eine andere Teilnehmerin. „Muss ich mich nicht deutlicher gegen den Atomtransport stellen?“

Sie habe sich mit wenig Erfahrung im vergangenen Jahr an die Strecke des Atommülltransports gestellt. „Einfach nur dazustehen und zu sehen, wie der Zug mit seiner gefährlichen Fracht an mir vorbei fährt“, das habe sie frustriert. „Schließlich habe ich ein verfassungsgemäß verbrieftes Recht darauf, mich zu widersetzen.“ Das wolle sie auch nutzen, betont sie.

Trainer Jürgen Fahrenkrug wolle mit dem Trainingsparcours zum gewaltfreien Widerstand „potenzielle Sympathisanten aus der Bequemlichkeitsfalle locken“, drückt es ein anderer Teilnehmer aus. Er hat seine ersten Erfahrungen in einer Sitzblockade bei einer Demonstration bereits hinter sich, „aber da war ich nicht ausreichend vorbereitet“, gibt er zu.

Wenn sich Unsicherheit und Angst in der Sitzblockade ausbreiten, besteht die Gefahr, dass sich Aggressionen einstellen. „Ich kenne mich nicht in solchen Situationen aus. Ich weiß nicht, wie ich reagiere, und bin froh, von anderen zu hören, was auf mich zukommt, wenn ich an einer Sitzblockade teilnehme und von den Polizisten weggetragen werde“, erklärt ein Teilnehmer.

Danach die Praxis: Die Aktivisten erleben, wie sich das Wegtragen von Demonstranten beim Castor-Transport anfühlt.

Deshalb veranstalten erfahrene Aktivisten wie Fahrenkrug diese Trainings. Die zum gewaltfreien Widerstand bereiten Demonstranten bilden vor Ort Bezugsgruppen. Ein komplexes System der gemeinsamen demokratischen Entscheidungsfindung sorgt bei ihnen für Einigkeit. „Niemand wird gezwungen, etwas zu tun, was er nicht will“, betonen die Aktivisten. Diese und andere Grundsätze wurden jetzt im Gemeindehaus geklärt. Es ging aber auch um profane Fragen: Was sollte ich dabei haben, was sollte ich zu Hause lassen? Die Blockadefibel „Anleitung zum Sitzenbleiben“, die jeder Besucher erhielt, bietet auf 40 Seiten viele Tipps für die Teilnahme an einer Sitzblockade.

Als ein Filmteam im Gemeindehaus eintrifft, das einen Beitrag für den regionalen TV-Sender über die Veranstaltung drehen will, entschließen sich mehrere Teilnehmer, das Training abzubrechen. Sie wollen lieber unerkannt bleiben. „Obwohl wir bei den Demonstrationen nur unsere Bürgerrechte wahrnehmen, werden wir immer wieder wie Kriminelle behandelt“, ärgert sich einer der erfahreneren Teilnehmer.

Von Angelika Jansen

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