Gewaltbereitschaft wächst

Die Gewalbereitschaft in Uelzen wächst. Prügelnde alkoholisierte Jugendgruppen gehören nachts längst zum Stadtbild.

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. Die Attacke kam für Katharina (Namen geändert) völlig unvorbereitet. Eigentlich hatte die 26-Jährige dem jungen Mädchen nur klar machen wollen, dass es keine Art sei, auf dem Hammerstein-Parkplatz unter den Augen vorbeifahrender Autofahrer zu pinkeln.

Doch die Gruppe um die etwa 16-Jährige pöbelt sofort los – und schließlich fällt die weibliche Gang über Katharina her. Deren Freundin versucht zu helfen, kriegt selber Schläge ab. Der Abend endet für die 26-Jährige im Krankenhaus, die Mädchengruppe ist flüchtig. Der Vorfall in der Nacht zu Sonnabend ist nur einer von mehreren Vorfällen eines ganz normalen Frühsommer-Wochenendes, der Montag begann für den Kriminaldienst bei der Uelzener Polizei wieder einmal mit zahlreichen neuen Fällen.

Die Täter sind oftmals alte Bekannte – wie im Fall eines Raubes Sonntagfrüh um zwei Uhr am ZOB, als drei Jugendliche im Alter zwischen 15 und 17 Jahren ein Messer zückten, um von einem 18-jährigen Passanten fünf Euro zu erbeuten. Die Täter wurden im Rahmen der Fahndung gefasst, im Fall der Mädchengang sind sie noch flüchtig. Zwar war kurze Zeit nach dem Vorfall zufällig eine Streife im Schritttempo am Tatort vorbeigefahren, die Opfer waren aber zu schockiert, um die Polizisten auf die flüchtende Gang aufmerksam zu machen.

„Wir haben an den Wochenenden natürlich gezielt ein Auge auf junge Leute, die in Gruppen alkoholisiert durch die Stadt ziehen und die immer mehr zur Gewalt neigen“, sagt Uelzens Kripo-Chef Jan-Olaf Albrecht. Die Tendenz zu mehr Gewalt zeichne sich ja schon seit Monaten, wenn nicht gar Jahren ab, Vorfälle wie an den vergangenen Wochenenden seien leider nichts Außergewöhnliches mehr.

Bei der Polizei unterscheidet man dabei zwischen jugendlichen Tätern, die sich von gezielten Maßnahmen durch die Ermittlungsgruppe Jugendkriminalität und anderer Behörden noch beeindrucken lassen, und polizeierfahrenen jungen Leuten, die längst wissen, dass sie im Regelfall ohnehin wieder auf freien Fuß gesetzt werden, und die bis zu einer Gerichtsverhandlung den Vorfall längst vergessen haben, weil zwischenzeitlich neue hinzukamen. „Sie werden auf freien Fuß gesetzt, weil die strafprozessrechtlichen Voraussetzungen für einen Haftbefehl in aller Regel nicht vorliegen, landen wieder in ihrem Umfeld, und da geht es dann eben weiter“, sagt Albrecht. Erst wenn erkennbar werde, dass Mehrfachtäter sich nicht beeindrucken lassen oder schwere Straftaten begehen, seien nach dem Jugendstrafrecht einschneidende Maßnahmen angebracht. „Wir halten deshalb im Bereich der Jugendkriminalität zu Staatsanwaltschaft, Amtsgericht, Jugendamt und anderen Einrichtungen der Jugendfürsorge besonders engen Kontakt“, erklärt der Kripochef.

Ein ausdrückliches Lob spendet der Kripochef indes den Veranstaltern der Abi-Feten. „Die sind beide in diesem Jahr hervorragend gelaufen“, betont Albrecht. In früheren Jahren waren diese Feten durch diverse Prügeleien in Verruf geraten. „Der Alkoholausschank erfolgt jetzt durch Eltern, es gibt eine andere Ausleuchtung im Außenbereich, andere Eingangskontrollen – das zusammen hat mit unserer verstärkten Präsenz dazu beigetragen, dass es so lief, wie wir es uns wünschen“, betont Albrecht.

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