Mutter behauptet, ihr Ex-Freund sei brutal zu ihrem Sohn gewesen, doch während der Verhandlung bekommt das Amtsgericht Zweifel

Gewalt gegen Kind oder Verleumdung?

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Eine Mutter behauptet, dass der Angeklagte gegenüber ihrem Sohn gewalttätig war, doch während der Verhandlung verstrickt sie sich in Widersprüche.

Uelzen. Hat M. aus Bad Bodenteich dem neun Jahre alten Sohn seiner Ex-Freundin Gewalt angetan? Diese Frage beschäftigt das Amtsgericht Uelzen. Die Mutter des Jungen, die als Nebenklägerin auftritt, hat den vermeintlichen Vorfall bei der Polizei angezeigt, M. behauptet, dass nichts gewesen sei.

Dass der Angeklagte und die Nebenklägerin bei einem solchen Vorwurf verschiedener Meinung sind, ist nicht verwunderlich. Doch dann nimmt die Verhandlung eine unerwartete Wendung.

„Ich kam zur Haustür rein, da hat er meinen Sohn am Oberarm gepackt und ihn die Treppe hoch geschleift“, sagt Ex-Freundin D. aus. „Der hat fürchterlich geschrien.“ Danach habe sie M. aufgefordert, zu gehen, und den Kontakt abgebrochen. Grund für die Handgreiflichkeit sei gewesen, dass sich ihr Sohn nicht die Zähne putzen wollte. Die Tochter von D. sei während des Vorfalls auch da gewesen und sagte bei der Polizei aus, es habe zwischen M. und dem Jungen regelmäßig Probleme gegeben, wenn es ums Zähneputzen ging. Und die Mutter sagt, dass sie später die Abdrücke von M.s Fingern am Oberarm ihres Sohnes entdeckt hätte.

Dass er brutal zu dem Neunjährigen war, streitet M. hingegen ab. „Vielleicht habe ich ihn am Arm gepackt, aber ich habe ihn nicht die Treppe hoch geschleift.“ Und er habe dem Jungen nicht weh getan. „Ich habe ihn gesehen wie meinen Sohn, ich will ihn nicht verletzen.“ Von einem Kontaktabbruch will M. nichts wissen: Nach dem angeblichen Vorfall habe der Junge noch bei dem 38-Jährigen, der sich regelmäßig um D.s Kinder gekümmert hat, übernachtet. Und auch auf seinem Geburtstag ein paar Wochen später sei sie zusammen mit ihrem Sohn gewesen. „Ich kann das alles nicht verstehen“, sagt M..

Dass sie und ihr Sohn offensichtlich auch Wochen später noch Kontakt zu dem Beschuldigten hatten, ist nur eine von mehreren Unstimmigkeiten in D.s Aussage. Unklar ist auch, warum sie den vermeintlichen Übergriff erst drei Monate später bei der Polizei angezeigt hat.

Am meisten überrascht es Richterin Claudia Hagemann allerdings, dass sich D. beim besten Willen nicht daran erinnern kann, wann der Vorfall überhaupt gewesen ist. „Was Sie sagen, passt alles nicht richtig zusammen“, findet die Richterin. „Das Problem ist: Mit ‘Ich weiß nicht so genau’ kommen wir hier nicht weiter.“ Denn angeklagt sei hier schließlich ein bestimmter Vorfall an einem bestimmten Tag. „Es geht hier für den Angeklagten ja auch um einiges“, erinnert Claudia Hagemann die Frau.

Brisant ist auch, dass D. gegen den Angeklagten eine einstweilige Verfügung beantragt und ihn bezichtigt hat, ihren Kindern gegenüber sexuell übergriffig gewesen zu sein. „Bei diesem Vorwurf ist auch nie was bei rausgekommen“, merkt M.s Verteidiger an. „Das hätte ihn beruflich ruinieren können.“

Dass es tatsächlich eine Straftat gab, daran hat das Gericht nach der Bewisaufnahme seine Zweifel und beschließt, das Verfahren gegen M. nach §153 wegen Geringfügigkeit einzustellen.

Von Sandra Hackenberg

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