DLRG fordert mehr Überwachung an Badestellen, doch im Landkreis kann keine Aufsicht gewährleistet werden

Gewässer mit Gefahrenpotenzial

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An der Nord- und Ostseeküste sind sie gang und gäbe, an Binnengewässern seltener im Einsatz: Wasserretter der DLRG.

Uelzen/Landkreis. Gegen die schwüle Hitze hilft oft nur ein Sprung ins kühle Nass. Doch dieser birgt auch Gefahren: Rund 392 Menschen ertranken im vergangenen Jahr – davon 78 Prozent in Binnengewässern.

Zahlen, bei denen die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Alarm schlägt: Die Kommunen müssten Gefahren der Gewässer analysieren, an denen die Menschen erfahrungsgemäß im Sommer zum Schwimmen gingen und für eine Überwachung sorgen, statt schlicht Baden-Verboten-Schilder aufzustellen. „Erst wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, ist das Geschrei groß“, beklagt auch Dirk Sander, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Ebstorf.

Doch weder die Ortsgruppen-Vertreter, noch die Stadt Uelzen, die mit dem Oldenstädter See über ein Badegewässer verfügt, sehen sich in Lage, eine Aufsicht zu gewährleisten. „Die Diskussionen um Badeaufsichten am Oldenstädter See sind seit den achtziger Jahren immer mal wieder aufgeflammt und es wurde vergeblich nach Möglichkeiten gesucht“, teilt Stadtsprecherin Ute Krüger auf AZ-Nachfrage mit. Besonders schwierig in diesem Zusammenhang: Der See ist rund um die Uhr zugänglich.

An den Küsten sind in der Hochsaison ein Großteil der rund 50 000 ehrenamtlichen Wasserretter der DLRG im Einsatz. Sinnvoll, daran lassen Sander und auch seine Kollegen von der DLRG-Ortsgruppe Rosche keinen Zweifel, wäre eine professionelle Überwachung auch an den größeren Badegewässern im Uelzener Kreisgebiet.

Doch es scheitert bereits an den personellen Ressourcen: Von rund 250 DLRG-Mitgliedern in Ebstorf erfüllten gerade einmal drei oder vier die nötigen Voraussetzungen – allein schon, weil es zu wenige Ausbilder gebe, sagt Sander. Schwierig gestalte sich zudem die Altersstruktur, erklärt Dietmar Schulz, in Rosche für die Erste-Hilfe-Ausbildung zuständig. Von den rund 300 Vereinszugehörigen seien 60 bis 70 Prozent unter 14 Jahre alt – und damit für den Rettungsdienst zu jung.

Und so bleibt das Risiko. Besonders, wenn Alkohol ins Spiel komme, werde der Badesee zur akuten Gefahrenzone, sagt Sander. DLRG-Sprecher Achim Wiese warnt zudem davor, ohne vorherige Abkühlung ins Wasser zu springen. „Wer denkt, das steckt er locker weg, der überschätzt seinen Körper.“ Bei Kreislauf- oder Herzproblemen ist das Risiko besonders hoch. Beim Schwimmen gilt es außerdem, die eigenen Kräfte nicht zu überschätzen. Wer weit hinausschwimmt, verliert leicht aus den Augen, dass er die Strecke auch zurückschwimmen muss. Der Experte empfiehlt darum, immer parallel zum Ufer zu schwimmen.

Fest steht für Schulz: „Sie können den Ertrinkungstod bei weitem nicht hundertprozentig verhindern.“ Aber vermindern könne man das Risiko auch im Landkreis Uelzen – und zwar durch ausreichend griffbereiter Rettungsringe an allen Seen.

Von Anna Petersen

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