Abdulaziz Ilhan wollte seinen Bruder besuchen

Gestrandet in der östlichen Türkei: Mann aus Uelzen sitzt jetzt fest

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In diesem Haus im osttürkischen Mardin wohnt Abdulaziz Ilhan, der eigentlich in Uelzen zu Hause ist, seit Monaten. Es ist ungewiss, wann der Senior wieder nach Deutschland zurückkehren kann.

Uelzen – Abdulaziz Ilhan sitzt fest. Seit Monaten. Der schwer kranke Mann aus Uelzen ist in Mardin gestrandet, im äußersten Südosten seines Heimatlandes Türkei. Es fehlt an allem – vor allem an den Medikamenten, auf die er angewiesen ist.

„Er sagt uns am Telefon, dass er Hilfe braucht, damit er Pflegematerialien und seine Medikamente bekommt, Er weint oft und sagt, dass er zurück will“, beschreibt Tochter Mine Ilhan die Situation.

Begonnen hat alles im Dezember 2019: Abdulaziz Ilhan – er lebt seit 1989 in Deutschland – hat seinen Bruder in der Türkei seit 30 Jahren nicht gesehen. Dieser lebt in der uralten Stadt Mardin nahe der Grenze zu Syrien. Als Abdulaziz Ilhan erfährt, dass sein Bruder schwer erkrankt ist, beschließt er, ihn zu besuchen. Und eventuell Abschied zu nehmen. Seine Angehörigen sorgen dafür, dass der 75-Jährige, der seit 2001 mit seiner Familie in Uelzen heimisch ist, den Flug in die Türkei antreten kann.

Doch dann wendet sich das Schicksal: Abdulaziz Ilhan erkrankt selbst schwer. Das Staatskrankenhaus in Mardin behandelt ihn und diagnostiziert außer einer Lungenentzündung auch eine Herzschwäche. Es sei nicht möglich, den kranken Senior in diesem Zustand in ein Flugzeug zu setzen.

Als sich sein Gesundheitszustand endlich bessert, schlägt die Corona-Krise zu. Die Grenzen werden dichtgemacht. Eine Rückholaktion wie für Tausende deutscher Urlauber gibt es für Abdulaziz Ilhan nicht. Das Problem: Er ist kein deutscher Staatsbürger.

Familie Ilhan macht sich inzwischen in Uelzen immer größere Sorgen um den Vater, der jetzt in der Türkei bei seinem Bruder wohnt und nur mit dem Allernotwendigsten versorgt werden kann: „Er bekommt Auslandskrankenscheine für die ärztliche Behandlung. Aber die gelten nur für ein halbes Jahr, das ist bald um.“

Mine Ilhan schaltet die Stadt Uelzen ein. Dort kann ihr allerdings nicht geholfen werden. Es ist schlicht nicht die Zuständigkeit der Stadtverwaltung, erläutert Sprecherin Ute Krüger: „Soweit wir können, kümmern wir uns natürlich.“ Die Stadt nimmt Kontakt zur Uelzener Landkreis-Verwaltung auf.

Auf AZ-Anfrage hält der Landkreis Uelzen fest: „Seitens der Ausländerbehörde sind inzwischen die rechtlichen Voraussetzungen nach dem Ausländerrecht für eine Wiedereinreise geschaffen worden. Allerdings beschränken sich Rückholaktionen des Auswärtigen Amtes zurzeit auf deutsche Staatsangehörige oder ausländische Staatsangehörige, die mit deutschen Familienangehörigen reisen und ihren Wohnsitz in Deutschland haben“, so Landkreis-Sprecher Martin Theine. Das Auswärtige Amt sei aber im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten bemüht, eine Lösung für ausländische Personen mit Aufenthaltsrecht in Deutschland zu finden.

VON MICHAEL MICHALZIK

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