„Dann waren die Bilder halt da“

Geständnis in Kinderpornografie-Prozess am Amtsgericht in Uelzen

Eine Kriminalbeamtin sitzt auf diesem Symbolbild vor einem Auswertungscomputer bei Ermittlungen wegen eines Kinderpornografie-Deliktes.
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Eine Kriminalbeamtin sitzt auf diesem Symbolbild vor einem Auswertungscomputer bei Ermittlungen wegen eines Kinderpornografie-Deliktes. Ein gebürtiger Uelzener hatte mehr als 1700 solcher Bilder gespeichert.
  • Lars Becker
    VonLars Becker
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Wegen des Besitzes von mehr als 1700 kinder- wie jugendpornografischen Bildern und deren Verbreitung in 35 Fällen ist ein gebürtiger Uelzener am Amtsgericht verurteilt worden. Er gab alles zu.

Uelzen – Drei Jahre und drei Monate lang passiert es immer wieder: Ein heute 46-Jähriger sitzt zu Hause vor seinem Computer und lädt Pornos herunter. Mehrheitlich handelt es sich dabei um das, was man legale Erwachsenenfilme nennt. Aber auf diversen Speichermedien archiviert er auch insgesamt mehr als 1700 Fotos und zwei Videos, deren Besitz und Verbreitung strafbar ist.

Es handelt sich um Dateien, die teilweise schwersten sexuellen Missbrauch von Kindern selbst unter zehn Jahren und Jugendlichen zeigen. Dieses erschütternde Material teilt der Mann auch noch mit zwölf offenbar Gleichgesinnten im Internet.

Vier Ermittler bei der Durchsuchung

Der Spuk endet am 27. November 2019 schlagartig: Auf dem Weg zur Arbeit wird der Mann von der Polizei abgefangen. Die vier Ermittler – zwei aus Uelzen und zwei weitere aus der Datenverarbeitungsgruppe aus Lüneburg – haben einen Durchsuchungsbeschluss in der Tasche. Am Mittwoch musste sich der Mann nun wegen des Besitzes und der Verbreitung von kinder- wie jugendpornografischen Schriften vor dem Amtsgericht Uelzen verantworten.

Der Lüneburger Staatsanwalt Jan Christoph Hillmer übernimmt die Sitzungsvertretung für die Kollegen aus Hannover. In der Landeshauptstadt ist die überregional tätige Zentralstelle für die Bekämpfung gewaltdarstellender, pornografischer oder sonst jugendgefährdender Schriften ansässig. Wie die Polizei dem gebürtigen Uelzener auf die Spur gekommen ist, bleibt offen. Jedenfalls trägt Hillmer akribisch bei der Anklageverlesung 35 Fälle von verschickten Fotos vor – mit Datum (zwischen August 2016 und November 2019), Chatpartner auf der Plattform „Skype“ und Anzahl der Bilder (bis zu 23).

Angeklagter: „Ich schäme mich zutiefst“

Der Angeklagte hat eine Erklärung vorbereitet. Mit brüchiger Stimme, Tränen in den Augen und gesenktem Kopf gibt er alles zu. „Es fällt mir schwer, etwas zu sagen. Ich empfinde tiefe Reue, leider kann ich die Dinge nicht rückgängig machen. Ich bedauere es und schäme mich zutiefst“, heißt es darin auszugsweise.

Das Motiv für das Abdriften des Mannes bleibt schwammig. Offenbar sehnt er sich schon lange nach einer Frau an seiner Seite, die er aber im echten Leben nicht findet. Er sucht sein Glück im Internet und gerät auf die schiefe Bahn. Angesichts einer devoten Neigung, wie der Angeklagte bei der Inaugenscheinnahme eines Fotos aus den umfangreichen Akten zugibt, das ihn in erregtem Zustand vor dem Computer zeigt, habe er in der Hoffnung auf mehr Anweisungen seiner Chatpartnerinnen befolgt. Er habe die Fotos in Chats gesehen und irgendwann begonnen, sie zu sammeln. „Dann waren die Bilder halt da“, sagt er.

Dass überhaupt das ganze Ausmaß ans Licht kommt, ist einem der vier Polizeibeamten zu verdanken, die bei der Hausdurchsuchung dabei sind. Als er das Passwort benötigt, um den Computer des Angeklagten sichten zu können, kommt der gerade aus dem Keller. Der Beamte hakt nach und entdeckt dort einen Server, der sogar eine externe Stromversorgung hat, damit er im Falle eines Stromausfalls weiterläuft. „Es war beeindruckend, was dort an Technik vorhanden war“, sagt der Spezialist der Polizei, der ahnt, dass er jenes Speichermedium gefunden hat, das entscheidend sein wird.

4000 Euro an den Kinderschutzbund

Er öffnet den Server, der ist aber leer – selbst die Einschubschächte für vier Festplatten fehlen. Schnell gibt der Angeklagte zu, dass er die entfernt und in der Sauna versteckt hat. Fachleute werten sie aus, das Verfahren nimmt Fahrt auf und endet am Mittwoch nach weniger als 90 Minuten mit einem Urteil, das der Angeklagte so akzeptieren will: ein Jahr und sechs Monate auf drei Jahre Bewährung.

Die beschlagnahmte Technik wird vernichtet, soweit sie verbotenes pornografisches Material enthielt und als Tatmittel gilt. Das gilt bei fünf von 38 Asservaten – Laptop, PC, USB-Stick, Server und externe Festplatte. Auch private Fotos aus 25 Jahren sind damit für immer verloren. Zudem muss der Mann 4000 Euro an den Kinderschutzbund zahlen und seine pädophile Neigung psychotherapeutisch behandeln lassen.

Richter Jacobs: „Erschütternder Missbrauch“

„Das alles ist zur sexuellen Stimulation passiert. Hinter den Bildern steckt Barbarei und Ausbeutung, erschütternder Missbrauch. Indem man so etwas konsumiert, besitzt und weiterverbreitet, unterstützt man das System“, sagt Richter Ingo Jacobs. Strafmildernd seien das vollumfängliche Geständnis und die Kooperation bei den Ermittlungen zu beurteilen. Seit der Durchsuchung habe der noch nie strafrechtlich in Erscheinung getretene Angeklagte eineinhalb Jahre lang unter der drohenden Verurteilung gelitten. Angesichts eines festen Arbeitsverhältnisses und der Bemühungen um einen Therapieplatz sei die Sozialprognose positiv.

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