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Geschrumpfte Protestfront in Uelzen

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Von: Norman Reuter

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Kurze Protestzüge: In Uelzen und Bad Bevensen gehen weniger Menschen gegen eine Impfpflicht auf die Straße.
Kurze Protestzüge: In Uelzen und Bad Bevensen gehen weniger Menschen gegen eine Impfpflicht auf die Straße. © Reuter

Die Zahl derer, die in der Hanse- und in der Kurstadt gegen die Corona-Vorgaben und die Impfpflicht auf die Straße gehen, ist merklich zusammengeschrumpft. Die AZ hat sich auch vor Ort auf Ursachenforschung begeben.

Uelzen/Bad Bevensen – In den Wochen um den Jahreswechsel demonstrierten hunderte Menschen. Jetzt, Mitte März, ist die Zahl derer, die gegen Corona-Vorgaben und gegen eine Impfpflicht in Uelzen und Bad Bevensen auf die Straße gehen, merklich zusammengeschrumpft.

„Das Demonstrationsgeschehen zur Corona-Pandemie ist abgeebbt“, berichtet Kai Richter, Sprecher der Polizei-Inspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen. Die Polizei begleitet die Protestzüge und Kundgebungen in Uelzen und Bad Bevensen, erfasst dabei auch die Teilnehmerzahl.

Die AZ zählte am vergangenen Sonnabend-Mittag bei einem Marsch von Corona-Protestlern durch Uelzen etwa 40 Teilnehmer. Bei einer weiteren Aktion am gleichen Tag in den Nachmittagstunden nahmen nach Polizeiangaben etwa 20 Teilnehmer teil. Zum Vergleich: Zu Spitzenzeiten kamen 400 zusammen. In Bad Bevensen trafen sich am Montagabend bei Nieselregen etwa 30 Menschen für einen Protestzug. Die Woche zuvor waren es noch etwa 60.

Die Gründe? Rekord-Inzidenzen, womit mehr Menschen denn je mit einer Infektion zu kämpfen haben? Die in Aussicht gestellte Lockerungen in den nächsten Wochen? Die Einführung des bei Kritikern weniger umstrittenen Impfstoffs Novavax? Die leiser gewordene Debatte um eine Impfpflicht? Der Ukraine-Krieg mit der Ankunft von Flüchtlingen und die Sorge vor steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen?

„Wir bewegen uns da im Bereich der Spekulation, wenn wir nach Gründen suchen“, sagt Frank Heinrich vom Uelzener Bündnis für Demokratie und Toleranz. Er hat sich in den vergangenen Monaten intensiver damit auseinandergesetzt, wer da auf die Straße gegangen ist, welche Ziele verfolgt wurden, und meldete für Uelzen auch immer wieder Gegenkundgebungen an, damit die Aktionen der Corona-Protestler nicht unwidersprochen bleiben. Er weiß zumindest für Uelzen zu berichten, dass es innerhalb der Bewegung knirsche. Er nennt zwei Gruppierungen: „Uelzen steht auf“ und „Uelzener für freie Impfentscheidung.“ Aktionen gebe es einmal mittags und einmal nachmittags.

„Nein zum Impfzwang“ stand auf einem Banner, befestigt an einem Lautsprecher, mit dem sich der Protestzug am Montag in Bad Bevensen in Gang setzte. Der Anmelder der Aktion – er will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen, weil es eine emotionale Debatte sei – sagt auf die Frage, wie er sich erkläre, dass die Teilnehmerzahlen zurückgehen: Es werde seit Monaten demonstriert, „da ist auch eine gewisse Abnutzung.“ Das heiße aber nicht, dass die Bewegung aufgebe.

Polizeisprecher Kai Richter meint: „Das orientiert sich wieder um den harten Kern.“ Er erinnert daran, dass Corona-Proteste nicht erst im Winter entstanden sind. Dort erhielten sie nur eine Dynamik. In immer mehr Städten trafen sich Menschen. Stellte die Polizei solche Treffen unter das Versammlungsrecht, liefen die Menschen los. Von einem „Spazierengehen“ war dann die Rede.

Die Polizei hielt aber Verstöße gegen das Versammlungsrecht fest. Die Uelzener Verwaltung berichtet, dass 15 Verfahren seien anhängig.

Nicht nur weniger Corona-Protestler gehen auf die Straße: Eine Gruppe von engagierten Bevensern rund um Jenny Grajewksi, die wie das Bündnis für Demokratie und Toleranz in Uelzen die Aktionen nicht unwidersprochen lassen will, zählt am Montag noch zehn Teilnehmer. „So wenig waren wir noch nie“, muss Grajewski feststellen. Zwischen 30 und 80 Personen seien sie immer gewesen, die zur Drei-Königskirche kamen. Bewusst trifft man sich dort, um den Impfgegnern nicht diesen Platz nicht zu überlassen. „Das haben wir geschafft“, sagt Mitstreiter Matthias Funk.

Das Uelzener Bündnis für Demokratie und Toleranz hat inzwischen seine Gegenkundgebungen zu den Corona-Protesten eingestellt und die Aufmerksamkeit auf die Ukraine verlagert. „Wir haben zu fragen, was wichtig ist. Und haben die Priorität auf dieses Thema gelegt“, sagt Frank Heinrich. Die Betroffenheit der Menschen sei enorm. Das zeige auch der Zuspruch. Jeweils sonnabends um 12 Uhr findet nun eine Friedenskundgebung statt. Zuletzt wurden dort 200 Teilnehmer gezählt.

Jenny Grajewski will mit ihren Mitstreitern in Bad Bevensen ausharren. Sie sagt: „Wenn die nicht mehr laufen, dann brauchen wir auch nicht mehr kommen.“

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