Von Woche zu Woche

Die Geschichte einer Straße

„Der Bürgermeister besitzt seit der Reform des niedersächsischen Kommunalrechts eine starke Stellung mit wichtigen selbstständigen Entscheidungsbefugnissen.“ So steht es bei Wikipedia. In Uelzen versuchen seit einigen Wochen drei Herren die Bürger davon zu überzeugen, dass sie der richtige Mann sind, um diese starke Stellung auszufüllen.

Mittwochabend ging es in einer Podiumsdiskussion um das Thema Sport, in der nächsten Woche sollen sich die Kandidaten zur Bedeutung der Kultur äußern.

Einer kann den Wahlkampf ganz entspannt verfolgen und sich zurücklehnen: Die Amtszeit von Uelzens Bürgermeister Otto Lukat läuft aus. Als Bürgermeister einer Kreisstadt wie dieser braucht man viel Standvermögen, gute Nerven – und man muss wissen, wann es sich lohnt, für eine Sache auch mal ein Risiko einzugehen.

Otto Lukat ist so ein Risiko vor vielen Jahren eingegangen. 200 000 Euro hätte es die Stadt gekostet, wenn es schief gegangen wäre. Doch es klappte wie geplant und somit ist es gut und richtig, dass das Stadtoberhaupt praktisch auf seine letzten Diensttage noch die Früchte seiner Arbeit ernten wird. Denn am 13. Mai wird die Kirchweyher Ortsumgehung feierlich eröffnet. Und ohne die Risikobereitschaft Lukats, das kann man heute ganz deutlich sagen, wäre womöglich noch nicht einmal ein Spatenstich erfolgt.

Wer schon einmal in einem Haus direkt an der Bundesstraße 4 gelebt hat oder dort einige Tage zu Besuch war, wer sich hat zeigen lassen, wie nach und nach die Nägel aus der Wand kommen durch die stetige Erschütterung, die vorbeibrausende Lastwagen auslösen, der weiß, wie groß die Einschränkung der Lebensqualität an einem solchen Wohnort ist; gerade jetzt, wo es wärmer wird und man auch mal draußen sitzen möchte.

Der Bund stellte Jahr um Jahr kein Geld für die Planung der Kirchweyher Ortsumgehung bereit. Bis der Bürgermeister der Stadt Uelzen sich irgendwann hinstellte und verkündete, bei den Planungskosten in Vorleistung zu treten. Wäre dann doch nicht gebaut worden, wären die 200 000 Euro weg gewesen. Doch als die Pläne vorlagen, kam der Bund tatsächlich in die Gänge.

So ist die Eröffnung der Ortsumgehung für Uelzen auch ein Symbol dafür, wie man mit Courage auch in einer Kleinstadt doch noch etwas bewegen kann. Und dem Nachfolger Lukats kann man an diesem Beispiel nur wünschen, im ganzen täglichen Aktenwust den Blick für das Wesentliche nicht zu verlieren. Diskutieren Sie mit unter az-online.de

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