Zwischen Wut und Verzweiflung

Uelzen: Geschäftsinhaber der Veerßer Straße greifen Stadt für Baustellenplanung an

Geschäftsinhaber aus der Veerßer Straße in Uelzen
+
Kritisieren die Baustellen-Situation in der Hansestadt: Bärbel Blum, Andrea Genthe, Julia Kotte, Nils Boss, Martina Stegen, Gabriele Cordes-Marschall und Stephanie Eisenmann (von links).
  • Lars Becker
    VonLars Becker
    schließen

Die Gefühlslage einiger Geschäftsleute, die mit ihren Ladenlokalen in der Veerßer Straße ansässig sind, dort Arbeitsplätze bieten und ihre Gewerbesteuer erwirtschafte, darf man mit Fug und Recht als explosive Mischung bezeichnen: Unverständnis, Wut, Verzweiflung und bisweilen sogar Existenzangst treibt sie um.

Anlass für die Sorgenfalten ist aber nicht etwa die Corona-Pandemie, sondern das aus ihrer Sicht katastrophale Baustellen-Szenario in der Hansestadt. Zahlreiche Händler haben sich in ihrer Not zusammengetan und eine gemeinsame Erklärung unterschrieben. Sieben von ihnen traf die AZ am Donnerstagnachmittag im Obergeschoss bei Juwelier Hennings. Geschäftsführerin Julia Kotte hatte die Initiative ergriffen und sich dazu entschlossen, im Nachgang zu immer mehr Gesprächen untereinander an die Öffentlichkeit zu gehen.

„Uelzen im totalen Lockdown durch Straßensanierung“, ist die Stellungnahme überschrieben. Und der Inhalt birgt Zündstoff: Durch die Pandemie seien Gastronomen und Geschäftsleute einigermaßen gekommen. „Nun haben wir das Gefühl, dass die Stadt uns durch die Straßenbaumaßnahmen den Rest geben will“, heißt es. Das Fass sei voll, sagt Julia Kotte. „Es kommt uns so vor, als sei es der Stadt egal, dass es uns gibt. Die Kunden, die noch zu uns kommen, sind von Baustellen und Umleitungen genervt. Das kriegst du selbst mit der besten Laune nicht mehr eingefangen. An manchen Tagen kommt nach 16 Uhr kein Kunde mehr, die Stadt ist dann leer – wie ausgestorben.“

Zusätzliche Sperrungen der Veerßer Straße neben dem Wochenmarkt mittwochs und sonnabends – etwa zuletzt durch die Demo zum Klimastreik oder die Laufveranstaltung des SV Rosche – erschwerten die Situation zusätzlich. „Man fragt sich immer wieder, wofür wir so einen schönen Rathausplatz und die Fußgängerzone haben, die doch sicherlich Ausweichmöglichkeiten für Veranstaltungen bieten könnten. Warum werden vor dem Rathaus nicht Parkplätze eingerichtet? Warum räumt man die Blumenkübel nicht zur Seite, damit der Verkehr zumindest etwas fließen kann? Warum hat man die Innenstadtsperrungen am Wochenende nicht eher aufgehoben? Warum gibt es keine Brötchentaste an den Parkscheinautomaten, aber schnell 15-Euro-Knöllchen und Gebühren für jeden Kundenstopper und Ständer? Immer mehr Kosten, aber keine Hilfe: Im Rathaus macht man sich leider einfach keine Gedanken um uns – so sieht es aus“, schimpfen die Händler, die bisweilen auch verzweifelte Lieferanten vor sich stehen haben, die im Baustellen-Wirrwarr den Überblick verloren haben.

„Es gibt keine gute Kommunikation vorab und einfach keine alternativen Ideen. Um so schlimmer ist es, dann noch zu erfahren, dass die Verantwortlichen unserer Stadt die Kernstadt am liebsten komplett für den Verkehr sperren und die Einzelhandelsgeschäfte gegen Wohnraum austauschen würden. Im Rathaus sitzen doch so schlaue Leute – warum merken die nichts?“

Die Geschäftsleute bringen ihre Meinung schließlich auf den Punkt: „Wir befürworten natürlich die Baumaßnahmen und wir wissen, wie wichtig sie für Uelzen sind. Wir wollen alle eine schöne, lebendige Stadt. Wir dekorieren nicht umsonst unsere Schaufenster, spenden für Vereine, Schulen und Kindergärten. Aber in diesem Ausmaß ist es für die Innenstadt nicht zu verantworten. Das ist ein direkter Schlag ins Gesicht. Wir hoffen, dass ,Gekämpft und doch verloren‘ nach diesen Maßnahmen an nicht zu vielen zugeklebten Schaufenstern stehen wird.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare