Dispo- und Überziehungszinsen: Sparkasse und Volksbank planen keine Senkung

Ein Geschäft, das keiner will

Hans-Joachim Lohskamp

Uelzen/Landkreis. Kaum hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 0,75 Prozent gesenkt, diskutiert die Politik auf Bundes- und Landesebene, dass die Banken eben diese Entlastung an ihre Kunden weitergeben müssten. Doch Fehlanzeige.

Zumindest bei den Dispo- und Überziehungszinsen für Girokonten. Warum sich daran bei Sparkasse und Volksbank im Landkreis Uelzen auch vorerst nichts ändern wird, dafür haben deren Vorstände ihre Gründe.

Sowohl bei der Sparkasse als auch bei der Volksbank werden bei Inanspruchnahme eines Dispokredits 12,75 Prozent Zinsen fällig, bei Überschreitung des Dispokreditrahmens kommen weitere 5,5 Prozent Zinsen oben drauf. Letzteres käme bei der Sparkasse allerdings höchst selten vor, sagt Vorstandsvorsitzender Dirk Köhler. „Nur auf Drängen von Kunden gibt es da mal Ausnahmen. Wir wollen dieses Geschäft nämlich gar nicht machen.“ Schließlich berge die Überziehung eines Dispokredites ein „sehr hohes Risiko“ und fordere vom Geldinstitut „totale Flexibilität“: Man müsse Liquidität vorhalten, wisse aber nicht, wann und ob sie abgerufen werde, so Köhler. Und dass man am Ende das Geld aus dem gewährten Überziehungskredit wiederbekäme, sei auch alles andere als sicher. Insofern seien 18,25 Prozent Zinsen für eine Überziehung des Dispo-Kredits durchaus gerechtfertigt. Niedersachsens Justizminister Bernd Busemann hatte kürzlich einen Überziehungszins um die 18 Prozent als zu hoch kritisiert.

Volksbank-Vorstand Hans-Joachim Lohskamp weist darauf hin, dass man gar kein Geld bei der EZB einkaufe, sondern sich über den genossenschaftlichen Finanzverbund refinanziere, also über die Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank (DZ-Bank). Aber auch bei der Uelzener Volksbank werde die Überziehung des Dispokredits „relativ wenig“ in Anspruch genommen, erklärt Lohskamp. Wohingegen Dispokredite „keine Ausnahme“ seien. Zu deren Überziehung komme es aber meist gar nicht, „weil wir vorher schon das Gespräch mit dem Kunden suchen“. Man schlage dann zum Beispiel einen günstigeren Ratenkredit vor, um die Dispo-Überziehung zu vermeiden.

Von einer gesetzlichen Deckelung der Zinssätze halten weder Köhler noch Lohskamp etwas. „Der Bankenbereich ist schon jetzt der am stärksten regulierte“, gibt der Volksbank-Chef zu bedenken. Und er wie sein Sparkassen-Kollege sind sich einig, dass es derzeit einfach „schick“ sei, auf die Banken einzuschlagen. Dabei dürfe man beide regionale Geldinstitute, die den Landkreis mit dichten Filialnetzen versorgen, nicht über einen Kamm scheren mit überregionalen Mitbewerbern, die hier lediglich mit einer Geschäftsstelle vertreten seien, betonen sie.

Das Argument der Politik, eine Zinssenkung könnte auch die Wirtschaft ankurbeln, sehen die beiden etwas differenzierter. Das sei sicher richtig, meint Sparkassen-Chef Köhler, gelte letztlich aber für alle Wirtschaftsbereiche. Lohskamp formuliert es so: „Wir haben einen deutlichen Anstieg der Privatinsolvenzen – das beantwortet diese Frage eigentlich schon.“

Von Ines Bräutigam

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