Von Woche zu Woche

Das Geschäft mit der diffusen Angst

„Deutschland hat Angst – und greift zur Waffe“; „Deutsche reißen Verkäufern Waffen aus den Händen“; „Boom – immer mehr kaufen eine Waffe“. Das sind Schlagzeilen aus den Internetportalen von Printmedien wie Süddeutscher Zeitung und Focus.

Und es sind Nachrichten, die sich nicht nur auf Metropolen wie Berlin und Hamburg beziehen. Nein, der Verkauf von Gaswaffen, Pfefferspray und Co boomt – angeblich auch bei uns auf dem Lande, in der Provinz.

Thomas Mitzlaff

Man muss sich fragen, was da schief läuft und vor allem auch, was eine solche „Aufrüstung“ bezwecken soll. Ein „erhöhtes Sicherheitsbedürfnis“ gebe es in der Bevölkerung, heißt es dazu in den Waffengeschäften. Das hört man vielerorts, doch kann man sich so ein Mehr an Sicherheit wirklich verschaffen? Ja, es hat Terroranschläge gegeben unter anderem in Paris, in unserer Landeshauptstadt Hannover ist ein Fußball-Länderspiel wegen Terroralarms abgesagt worden. Doch die Konsequenz daraus soll sein, sich selbst mit Pfefferspray und Gaspistole auszurüsten? Wovor genau sollen die dann denn schützen?

Und dann gibt es noch die, die mit dem Flüchtlingsstrom argumentieren. Aber, das muss man klar und deutlich sagen: Es gibt bei uns keine einzige Meldung, dass Flüchtlinge in unserer Häuser einbrechen und uns berauben würden. Anders herum wird ein Schuh daraus: Die Deutschen überfallen diese Menschen, die bei uns Zuflucht gesucht haben, wir zünden ihre Quartiere an. Wer ein argumentatives Gemengelage aus Terror und Flüchtlingen bildet, spielt mit diffusen Ängsten der Menschen und bereitet den rechten geistigen Brandstiftern in diesem Lande den Nährboden.

Natürlich, Bundes- und Landespolitik versagen jämmerlich bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise. Und als Konsequenz haben die Menschen kein Vertrauen mehr in die Politik. Da kann sich die Kanzlerin von ihrem Wahlverein beim Parteitag noch so sehr feiern lassen, die Realtität vor Ort ist längst eine andere.

Die Konsequenz darf aber nicht sein, dass wir privat aufrüsten. Denn Deutschland ist weiter ein sicheres Land. Und will man wirklich durch die Straßen gehen mit der Befürchtung, der Gegenüber könnte mit einer Gaspistole oder Pfefferspray bewaffnet sein? Lebt man mit dieser Vorstellung sicherer? Nein, sie ist beängstigend. Ja, Deutschland hat sich verändert im Jahr 2015. Doch das letzte, was passieren darf, ist eine Spirale der Aufrüstung in Gang zu setzen.

Von Thomas Mitzlaff

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare