Bierflasche über den Kopf gezogen

Aus dem Gericht: Trinker-Streit am Uelzener Bahnhof eskaliert

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Ein Streit unter Trinkern gipfelt am Bahnhof in einer Attacke mit der Bierflasche. 

Uelzen – Befindlichkeiten im Trinkermilieu gipfeln im September vergangenen Jahres an Uelzens Bahnhof in einer handfesten Auseinandersetzung, bei der ein 37-Jähriger seinem Kontrahenten eine Bierflasche über den Kopf zieht.

Das Amtsgericht Uelzen will gegen den Mann wegen gefährlicher Körperverletzung verhandeln, doch sowohl vom Angeklagten als auch vom vermeintlichen Opfer fehlt jede Spur.

Richterin Meike Wulff informiert die Polizei, die S. bereits sucht, als der Beschuldigte mit 45 Minuten Verspätung eintrudelt: „Ich hatte den Zettel verloren gehabt.“ Umsonst ist die Polizei aber nicht unterwegs: Mit dem vermeintlichen Opfer im Schlepptau betreten sie den Verhandlungssaal.

Der Zwei-Meter-Hühne hat aber keine Lust auf eine Aussage. „Wir haben nix zu besprechen. Ich hab’ nix zu sagen“, blafft Y. in Richtung Richterin.

Zumindest der schmächtige, nuschelnde Angeklagte bringt etwas Licht ins Dunkel: An besagtem Tag habe er seinen ersten Arbeitstag gehabt. Nach Feierabend sei er auf ein Bier zum Hintereingang des Bahnhofs gegangen. Auch Y. sei dort gewesen. „Wir haben uns gegrüßt. Y. ist der Ex von meiner Ex. Bis dahin war alles unkompliziert mit uns“, behauptet S..

Offenbar habe Y. aber ein Problem mit dem Freund von S. gehabt, mit dem der sein Bier getrunken hat. Als der Angeklagte Y. zum Abschied die Hand geben will, habe der ihn mit den Worten „Verpiss’ dich“ abgefertigt. Dann sei Y. aufgesprungen, „und dann hatte ich schon Eine sitzen.“

Aus Selbstschutz habe er Y. die Flasche über den Kopf gezogen. Es folgte ein wildes Gerangel. Ein zufällig vorbei kommender Polizeibeamter kann die Streithähne erst mit Pfefferspray trennen.

Da das vermeintliche Opfer keine Aussage machen will, keine größeren Verletzungen hat und unklar ist, ob S. nicht doch in Notwehr gehandelt hat, stellt die Richterin das Verfahren ein. „Selbstverteidigung sieht nicht vor, dass man mit einer Flasche zuschlägt“, erklärt sie. „Wenn Sie angegriffen werden, lassen Sie die Flasche fallen.“

VON SANDRA HACKENBERG

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