Betrunken mit dem Tandem unterwegs

Aus dem Gericht – Polizeibekannte Kumpels beschädigen Auto

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Wenn sie Alkohol trinken, geraten zwei Freunde regelmäßig mit dem Gesetz in Konflikt. Ihre jüngste „Schnapsidee“: Sie sind volltrunken mit einem Tandem durch die Uelzener Innenstadt gefahren.

Uelzen – S. und den Mitangeklagten H. verbindet eine enge Freundschaft. Doch auch zu der Staatsanwältin hat der 28-Jährige eine besondere Beziehung: Sie kennen sich bereits seit über zehn Jahren.

„Ich erinnere mich noch daran, wie wir damals, noch im Jugenddezernat, miteinander zu tun hatten“, richtet die Staatsanwältin während der Verhandlung am Amtsgericht ihr Wort an den Angeklagten. „Wenn ich jetzt höre, dass Sie inzwischen eine Wohnung haben, eine Arbeit und, ihren Möglichkeiten entsprechend, Unterhalt für ihr Kind zahlen, finde ich es wahnsinnig gut, wie Sie sich entwickelt haben.“

Es klingt paradox, doch in Anbetracht der bewegten Vergangenheit des 28-Jährigen scheint sein Leben inzwischen eine positive Wendung genommen zu haben. Wenn da nur nicht der Alkohol wäre, der ihn und seinen 20-jährigen Kumpel immer wieder auf die schiefe Bahn führt. Fast alle seiner 19 Verurteilungen kamen in Zusammenhang mit Alkoholgenuss zustande.

Erst letzten Monat hat S. seine letzte Geldstrafe abbezahlt, da steht er schon wieder vor Gericht: Er soll völlig betrunken mit H. auf einem Fahrradtandem durch die Uelzener Innenstadt gefahren sein, dabei ein geparktes Auto beschädigt und anschließend Unfallflucht begangen haben. S. hatte 2,3 Promille im Blut, H. 2,1.

„Ich kann das nur so einräumen. War halt ‘ne blöde Aktion.“, gibt S. zu. „Ich bin ja der erwachsenere Teil von uns beiden.“ Er könne sich noch daran erinnern, dass sie mit dem Tandem ins Straucheln gekommen seien und er dabei mit seinem rechten Arm den Seitenspiegel des Wagens gestriffen habe: „Mir war das schon klar, dass wir das Auto angefahren haben.“

Die Unfallflucht streiten die Angeklagten aber ab. „Wir konnten nicht sofort anhalten. Hinter uns waren halt voll viele Autos“, erklärt S.. In der nächsten freien Parkbucht hätten sie sofort angehalten und den Schaden inspiziert. Das bestätigt auch ein Zeuge, der allerdings nicht mitbekommen hat, ob die jungen Männer dann nicht doch weitergefahren sind.

Tatsache ist, dass die Beschuldigten kurze Zeit später der Polizei mit dem Tandem in die Arme gefahren sind. Die Beamtin berichtet, sie und ihr Kollege hätten S. und H. schon von Weitem gesehen, wie sie in Schlangenlinien gefahren sind und dafür die ganze Straßenbreite genutzt haben. Mehrmals seien sie fast gestürzt.

Den Schaden am Auto – einen Kratzer an der Fahrertür – haben die Polizeibeamten fotografiert. Die Fahrerin des Wagens hat von dem Vorfall aber überhaupt nichts mitbekommen. Als sie ein paar Wochen später informiert wurde und das Auto untersucht hat, ist ihr lediglich ein Kratzer im Bereich des Hinterrades aufgefallen. Vom Kratzer an der Tür fehlt zu diesem Zeitpunkt jede Spur.

„Betrunkene und kleine Kinder haben Schutzengel. Glück gehabt“, fasst die Staatsanwältin zusammen. Denn ob H. und S. überhaupt etwas mit dem Kratzer zu tun haben, kann ihnen nun nicht mehr nachgewiesen werden. S. wird wegen einer fahrlässigen und einer vorsätzlichen Trunkenheitsfahrt zu einer Geldstrafe von 1275 Euro verurteilt. Sein Freund bekommt nach Jugendstrafrecht 100 Sozialstunden aufgebrummt, denn er hat noch zwei Diebstähle begangen. „Wenn ich mir ihre Vita angucke, stellen sich mir die Nackenhaare auf. Ich hoffe, dass Sie Herrn S. nicht reinreiten“, gibt die Staatsanwältin H. mit auf den Weg.

VON SANDRA HACKENBERG

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