Totschlags-Prozess gegen Douglas-Bande: Angeklagter sieht sich als Opfer

Gericht besichtigt Tatort

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Ismail N. (links), hier mit seinem Anwalt Martin Schaar, beim Prozessauftakt vor dem Landgericht Lüneburg. Der 19-jährige soll eine Bierflasche aus einer angrenzenden Kneipe geholt haben, um damit das Opfer niederzuschlagen.

Uelzen/Lüneburg. Zum Prozessauftakt gegen zwei Mitglieder der so genannten Uelzener Douglas-Bande vor dem Landgericht Lüneburg hat sich einer der beiden 19-jährigen Angeklagten als Opfer dargestellt: Er habe Angst vor dem 41-jährigen Busfahrer gehabt, der wie ein Boxer ausgesehen habe. Der zweite Angeklagte, ebenfalls 19 Jahre alt, schweigt zu den Tatvorwürfen.

Den beiden Heranwachsenden wird vorgeworfen, in den Morgenstunden des 2. Juli in der Uelzener Innenstadt einen Fußgänger mit einer Bierflasche niedergeschlagen und dann dem am Boden liegenden Mann ins Gesicht getreten zu haben. Die Verdächtigen, die wegen versuchten Totschlags angeklagt sind, sitzen seit vier Monaten in Untersuchungshaft. Die so genannte Douglas-Bande wird in Ermittlerkreisen so bezeichnet, weil sich die Mitglieder vor der gleichnamigen Drogerie in der Innenstadt treffen und dann losziehen, um Straftaten zu begehen.

Das Opfer, ein 41-jähriger Busfahrer, hatte laut Anklage seine Zivilcourage mit schweren Schädelverletzungen bezahlt. Er hätte einem Pärchen geholfen, das an der Gudesstraße von einer gewaltbereiten Gruppe tätlich angegriffen worden war – daraufhin sei er selbst zum Ziel der etwa sechs jungen Männer geworden. Einer der beiden habe aus einer angrenzenden Gaststätte eine Bierflasche geholt, diese geleert und sie dem 41-Jährigen mit einem Sprung gegen den Kopf geschlagen. Als das Opfer zu Boden ging, soll der zweite Angeklagte ihm ins Gesicht getreten haben. „Sie nahmen tödliche Verletzungen in Kauf“, so die Oberstaatsanwältin. Der 41-jährige erlitt unter anderem einen Bruch der Stirnhöhle und ein Schädel-Hirn-Trauma. Als Türsteher der umliegenden Gaststätten dem Opfer zur Hilfe kamen, seien die Täter geflüchtet. Ein Zeuge konnte einen Beschuldigten einholen und zu Boden reißen, doch andere Männer aus der Angreifergruppe hätten ihren Kumpan befreit.

Die 1. Große Jugendkammer des Landgerichts Lüneburg hat zunächst 17 Verhandlungstage bis Ende Februar angesetzt. Mehr als 30 Zeugen und drei Sachverständige sollen gehört werden. Außerdem plant die Kammer einen Ortstermin in Uelzen, um sich selbst ein Bild zu machen, was Zeugen in der Nacht sehen konnten. Als voraussichtlichen Termin nannte der Vorsitzende Richter Axel Knaack den 30. Januar.

Von Thomas Mitzlaff

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