AZ-Serie: 50 Jahre Hainberg – Die Entstehungsjahre

Gerettetes Lager

Aus dem „Lager Melzingen“ wurde in den 50er-Jahren schließlich der Hainberg im Bundeseigentum. Foto: Privat

kah Uelzen. Ein Schatz lagerte gegen Ende des zweiten Weltkrieges in dem „Lager Melzingen“, dem späteren BGS- und Bundespolizeistandort Hainberg. Es war kalt, aber hier waren gefütterte Fliegerjacken, warme Fliegerstiefel und mehr.

In den letzten Kriegswochen wurde dann befohlen, den Standort zu sprengen – eine Katastrophe.

Der Kommandant vor Ort widersetzte sich dem klaren Befehl. Er wollte das Wehrmachtseigentum nicht vernichten, die Zivilbevölkerung sollte sich bedienen. Die Allgemeine Zeitung schrieb 1988 im Heidewanderer: „Beherzte Männer haben es auf sich genommen, den Befehl nicht auszuführen. Welch ein Wagnis, wo man doch weiß, dass auch noch zum Schluss härteste Strafen verhängt worden sind! So konnten die Bekleidungsstücke, wenn auch nicht immer gerecht, verteilt und von der notleidenden Zivilbevölkerung, vor allem auch von den Evakuierten, Bombengeschädigten und Vertriebenen geholt werden.“

Der Kommandant soll nicht nur beherzt, sondern auch schlau gewesen sein. Bei Luftangriffen der Alliierten schoss er erst gar nicht auf die Flieger – er wollte nicht auf sich aufmerksam machen. Denn das Lager war auch als Baukörper wichtig: Einerseits, so stand es im Heidewanderer, sollten die erwarteten Alliierten lieber hier stationiert sein, statt die Zivilbevölkerung zu bedrängen, andererseits sollte es ein Wohnraum für Flüchtlinge werden.

Die nächsten sechs Jahre ging der Hainberg in den Besitz der englischen Besatzungsmacht über. Danach war kurzzeitig eine Schuhfabrik interessiert, dann war die Einrichtung der Landessegelfliegerschule in Uelzen angedacht. Der Flugsportverein „Cumulus“ hoffte auf ein Zusammengehen mit dem Luftsportverein Niedersachsen. Allerdings wurden keine Landesmittel dafür freigegeben.

Schließlich wurde das Lager für Wohnzwecke freigegeben. Familien aus dem Landkreis, die schlecht untergebracht waren oder deren Wohnungen von den Vermietern benötigt wurden, bekamen im Lager für zehn Jahre ein neues Zuhause.

Als aus dem militärischen Barackenlager eine Siedlung geworden war, musste sich der Grundbesitzer fragen, ob er nicht doch das ganze Gelände verkaufen sollte. Der Staat gab ihm für das verpachtete Land gerade soviel, dass er davon eben die Steuern und sonstigen Abgaben bezahlen konnte. Am 23. August 1953 verkaufte der Bauer das „Melzinger Lager“ an die Bundesrepublik. Der Kaufpreis war ungefähr die Hälfte von dem, was zu gleicher Zeit im Ort Westerweyhe für vergleichbares Land zu erzielen war. Aus dem „Melzinger Lager“ wurde der Hainberg.

Die nächste Folge am Sonnabend, 6. Juli.

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