Bad Bevenserin erhält Bundes-Verdienstmedaille fürs Ehrenamt

Gerda Gades Herz schlägt für Gomel

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Landrat Heiko Blume gratuliert Gerda Gade zur Verleihung der Verdienstmedaille.

Uelzen. Gerda Gade ist immer „mittenmang dabei“: Pastor Hermann-Georg Meyer aus Bad Bevensen gratulierte gestern der 70-Jährigen zur Verleihung der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland im Uelzener Kreishaus.

„Es wird einfach angepackt“, freute Meyer sich mit der ehrenamtlichen Helferin aus dem Gomel-Arbeitskreis der Dreikönigs-Kirchengemeinde Bad Bevensen und des Kirchenkreises. „Und wenn’s das Kartoffelschälen ist“, fügte sie selbst hinzu.

Seit 18 Jahren engagiert sich Gerda Gade für die Menschen in der von der Tschernobyl-Reaktor-Katastrophe verseuchten Region Gomel in Weißrussland. Vor zwei Jahren war sie bereits für „Mensch 2009“ nominiert, eine Aktion der AZ und der Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg. Für Landrat Dr. Heiko Blume war Gades Engagement gestern ein Grund, ihr zu danken. Gade gehöre zu denen, die „nicht zuerst an sich, sondern an andere denken“, sagte Blume, bevor er ihr die Medaille ansteckte.

Die Bad Bevenserin ist im Gomel-Ausschuss aktiv und organisiert den jährlichen Besuch von rund 50 Gästen aus der Region in Uelzen. Etwa 16 Ferienkinder, die an Leukämie erkrankt sind, müssen auch beim Aufenthalt in der Uhlenköperstadt ständig medizinisch betreut werden. Dass ihr das Thema so ans Herz gewachsen ist, zeigt auch ihr enger Draht zur Dolmetscherin Tanja, die die Reisen regelmäßig begleitet. So spricht Gerda Gade von ihrer „Tochter Tanja“ und ihrem „Enkel Egor“ und bereitete Blume somit „zunächst Schwierigkeiten, die Familienverhältnisse zu sortieren“, berichtete er schmunzelnd. Beim Ehrenamt gehe es eben nicht nur ums Geben. Sie bekomme auch viel zurück, betont Gade gerne.

Pro Kind kostet die Erholungsreise rund 700 Euro. Gade akquiriert die Gelder, um den Besuch der jungen Gäste möglich zu machen, sie plant das Programm und ist in den vier Wochen im Sommer immer zur Stelle, wenn etwas gebraucht wird. 2010 legte sie für das Ehrenamt innerhalb eines Monats 2500 Kilometer zurück. In der Spargelzeit sitzt sie regelmäßig auf dem Wochenmarkt und schält zugunsten der Ferienkinder Spargel. Seit dem vergangenen Jahr übernimmt Petra Schlechter immer häufiger diese Aufgaben. Aber die Verbindungen für die Organisation der Besuche aus Gomel muss ihre Nachfolgerin sich zunächst noch aufbauen.

„Ich kenne die ganz gut“, sagt Gerda Gade, sobald es darum geht, jemanden für ihr Ehrenamt um Unterstützung zu bitten. Mit einigen Gastwirten stehe sie zum Beispiel in Kontakt, bei denen die Kinder aus Weißrussland ein kostenloses Menü erhalten. „Sie fragen schon, wann sie wieder kommen“, verrät Gade, die mit ihrem Mann bis 1994 selbst noch eine Gastwirtschaft in Bohlsen betrieben hat.

Zu der Organisation der Aufenthalte der Gomel-Kinder in Uelzen hat Gade schon 28 Mal Hilfstransporte in die verseuchte Region organisiert. Im Vorhinein werden Sponsoren gesucht, Spenden gesammelt und in Bananenkartons verpackt. Am 18. März wird das nächste Mal ein Transport starten, um in der 1600 Kilometer entfernten Region die Spenden zu überreichen.

Gerda Gade ist auch im kirchlichen Diakonieausschuss und im Gemeinderat in Bad Bevensen aktiv, um dort ihre Erfahrungen mit den Ferienaktionen und den Hilfstransporten zu vermitteln. Den dortigen Kinderschutzbund unterstützt sie zweimal pro Woche, unter anderem beim Mittagstisch. So kann es schon problematisch werden, sich für die Verleihung der Verdienstmedaille zu treffen, schildert Blume die Probleme, einen Termin zu finden.

Von Diane Baatani

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