Für ein gemeinsames Europa

Von Bernd Schossadowski - Es waren Szenen mit Symbolwert: Mit herzlichen Umarmungen und auch mancher Träne in den Augen verabschiedeten sich vorigen Sonntag in Bois-Guillaume und in anderen Orten bei Rouen die französischen Gasteltern von rund 50 Besuchern aus dem Kreis Uelzen. Vier Tage lang hatten sie gemeinsam den 40. Geburtstag der Partnerschaft ihrer beiden Region gefeiert.

Die Begegnungen vor Ort waren bewegend, die Gastfreundschaft der Franzosen beeindruckend. Ausgerechnet in der Normandie, in der 1944 alliierte Truppen im Zweiten Weltkrieg gelandet waren, trafen sich jetzt Menschen aus sechs europäischen Nationen und dem afrikanischen Burkina Faso, um Bekenntnis abzulegen für ein friedliches, partnerschaftliches Miteinander.

65 Jahre nach Kriegsende sind Franzosen und Deutsche – anders als ihre Vorfahren – zum Glück keine Feinde mehr, sondern enge Freunde in einem vereinten Europa. Diese Partnerschaft gilt es weiter auszubauen. Gerade vor dem Hintergrund des Jahrestages der Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 war es ein hoffnungsvolles Zeichen, dass auch zwei Dutzend Jugendliche von der Musikschule Uelzen zu Gast in der Normandie waren. Sie erlebten die liebenswerte französische Mentalität hautnah und knüpften Kontakte zu Gleichaltrigen aus anderen Ländern, etwa zu jungen Polen, die sich gegenüber den Uelzenern sympathisch und aufgeschlossen zeigten.

Genau darin liegt einegroße Chance: Nicht nur mit Frankreich, auch mit Polen müssen die Begegnungen intensiviert, Freundschaften geschlossen, Vorurteile abgebaut werden. Daher wäre es wünschenswert, wenn sich neben dem deutsch-französischen Partnerschaftskomitee in Uelzen ein ähnlich rühriger Freundeskreis für den Polen-Austausch einsetzen würde.

Vor allem Jugendliche können diesen mit Leben erfüllen. Aber auch die Generation zwischen 25 und 40, die im Frankreich-Komitee zurzeit nur spärlich vertreten ist, müsste sich stärker engagieren. Jeder sollte die Chance nutzen und an Freundschaftstreffen in Europa teilnehmen – und im Gegenzug ausländische Gästebei sich in Uelzen aufnehmen. Damit das gemeinsame europäische Haus auf menschlicher Ebene noch stabiler wird und weder Finanztumulte in Griechenland noch die Weltwirtschaftskrise es erschüttern können.

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