Das Geld für Wärme bleibt im Dorf

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Die Biogasanlage in Stoetze versorgt schon weite Teile des Dorfes – jetzt sollen nochmals 200 000 Euro investiert werden, um auch dem Rest des Dorfes die Möglichkeit zu geben, sich an die Fernwärme anzuschließen.

Stoetze - Von Jürgen Köhler-Götze. Die Wirtschaftlichkeit einer Biogasanlage steht und fällt mit der Nutzung der Abwärme, die bei der Stromerzeugung anfällt, weiß Michael Borgard, der zusammen mit zehn anderen Landwirten die Biogasanlage in Stoetze betreibt.

Seit geraumer Zeit ist das Altdorf Stoetze schon an die Wärmeleitung angeschlossen. Die Saatbau Stoetze nutzt die Wärme für die Kornbrennerei im Dorf, die Industriealkohol produziert und auch die Siedlung Humanopolis bezieht die Wärme von einem Blockheizkraftwerk der Anlage. Jetzt werden nochmals rund 200 000 Euro investiert, um auch dem Rest des Dorfes die Möglichkeit zu schaffen, sich an die Fernwärmeleitung anzuschließen.

Zu den bislang verlegten 1,5 Kilometern Leitung kommen noch einmal 400 Meter zur Ringleitung hinzu und ein Wärmepuffer sorgt dafür, dass auch dann die Wassertemperatur nicht zu stark absinkt, wenn alle Menschen im Dorf gleichzeitig die Heizung aufdrehen und duschen gehen.

Schon jetzt werden dadurch in Stoetze rund 200 000 Liter Heizöl eingespart und durch die Blockheizkraftwerke bei der Saatbau und der Siedlung Humanopolis noch etwa die gleiche Menge dazu.

„Geld, das im Dorf bleibt und nicht nach Saudi-Arabien fließt“, sagt Borgard. „Der Bürgermeister sieht das bei der Gewerbesteuer und die Handwerker, die die Leitungen bauen und die Anlage warten, kommen auch aus der Region.“ Und man müsse auch bedenken, wie viel CO2 die insgesamt 27 Biogasanlagen im Kreis gegenüber herkömmlicher Strom- und Wärmeerzeugung einsparen, erinnert Borgard: „Rund 90 000 Tonnen.“

Eigentlich also eine Geschichte, bei der alle Seiten gewinnen, aber den Anlagenbetreibern bläst derzeit der Wind ins Gesicht. Umweltminister Hans-Heinrich Sander will eine Bundesratsinitiative starten, um den Biogasboom einzudämmen. Von Vermaisung der Landschaft ist da die Rede und von Überförderung der Biogasanlagen. „Wir verdienen mit der Anlage gutes Geld“, gibt Borgard zu und kann daran nichts Schlechtes finden. „Aber wir füttern die Anlage doch nicht nur mit Mais, sondern mit allem, was da ist.“ Zuckerrüben, Gras, Getreide zählt er auf und in vielen Anlagen wird auch Gülle genutzt. Dass sich der Bürger am Mais stört, kann er schon verstehen, besonders in Regionen wie Cloppenburg. „Da ist das übertrieben worden und da muss nachgesteuert werden.“ Hier hingegen stehe auf weniger als fünf Prozent der Ackerfläche Energiemais, wie auch die Landwirtschaftskammer bestätigt. Für die Stoetzer Anlage stehen etwa 400 ha unter Mais.

„Die 6 Milliarden Euro Umsatz, die in Deutschland mit Biogas umgesetzt werden, sind eine Größe, die bei den Konzernen Begehrlichkeiten wecken“, argwöhnen die Betreiber, die für die nächsten zwei Jahre einigen Biogasanlagen Pleiten vorhersagen. Dass die Laufzeiten für die Atomkraftwerke verlängert wurden, werde Folgen für die Förderung der erneuerbaren Energien haben, da sind sie sich sicher. „Beides zusammen geht nicht“, sagt Borgard und verweist auf die Windräder, die aus dem Wind gedreht werden, wenn zu viel Strom an der Börse ist. Da sehe man die Folgen heute schon.

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