Überbordende Bürokratie und schwierige Nachfolger-Suche belasten Fleischer

Es geht um die Wurst

„Nur mit Fleisch und Wurst ist es nicht mehr zu schaffen“, sagt Fleischermeister Stefan Bardowicks über das langsame Sterben der Fleischereien. Foto: Lohmann
+
„Nur mit Fleisch und Wurst ist es nicht mehr zu schaffen“, sagt Fleischermeister Stefan Bardowicks über das langsame Sterben der Fleischereien.

Uelzen/Landkreis. Der klassische Fleischer um die Ecke wird immer seltener. Und weil es immer weniger Betriebe gibt, haben sich jetzt die Fleischer-Innungen Celle /Soltau-Fallingbostel und Lüneburger Heide zu einer gemeinsamen Innung zusammengeschlossen.

44 Fachbetriebe bilden künftig, auf fünf Landkreise verteilt, die gemeinsame Innung. Doch wo liegen die Probleme der klassischen Fleischer?.

„Nur mit Fleisch und Wurst ist es nicht mehr zu schaffen“, sagt der Uelzener Fleischermeister Stefan Bardowicks, der seinen seit 82 Jahren existierenden Betrieb in dritter Generation führt. Um heute genug Geld zu verdienen, müsste man sich möglichst breit aufstellen. Daher biete er einen Mittagstisch und einen Partyservice an.

Außerdem hat sich das Kaufverhalten der Menschen verändert. So sei der klassische Sonntagsbraten fast ausgestorben. Früher sei höchstens zwei Mal die Woche Fleisch auf den Tisch gekommen, heute käme es bei manchen täglich auf den Tisch, aber: „Viele kaufen dann ihr Fleisch möglichst billig ein und greifen beim Ramsch zu“, sagt Bardowicks – „das ist ein Problem in Deutschland. In unseren Nachbarländern wird viel mehr auf die Qualität des Essens geachtet und die Leute sind auch bereit dazu, mehr dafür zu bezahlen.“

Hinzu kommt für Bardowicks noch die überbordende Bürokratie. „Zehn Stunden in der Woche beschäftige ich mich mit solchen Dingen.“ Der Sinn mancher dieser Auflagen erschließe sich dabei nicht immer.

Ein anderes Problem der Fleischer ist die schwierige Nachfolger-Suche. Zum einen gebe es nur wenige, die dazu bereit seien, rund um die Uhr zu arbeiten, zum anderen sei es für potenzielle Nachfolger schwierig, überhaupt das Geld für eine Übernahme aufzubringen. „Wenn ich jung bin und möchte meinen eigenen Betrieb aufmachen oder einen übernehmen, schickt mich die Bank mit 50.000 Euro Eigenkapital doch lachend wieder weg, wenn ich einen Kredit haben möchte“, sagt Bardowicks. Die Ausstattung einer Fleischerei könne gut und gerne eine Million Euro kosten. So bezahle man allein für einen Meter Tresen etwa 10.000 Euro und ein Koch- und Räucherschrank koste rund 77.000 Euro – Kosten, die Nachfolger abschrecken.

Dass es seine Fleischerei noch geben wird, wenn er einmal in den Ruhestand geht, glaubt Bardowicks nicht: „Die Kinder machen was anderes und ein Nachfolger ist nicht in Sicht.“

Von Lars Lohmann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare