Nach ihrem einwöchigen Streik melden sich erstmals die GDL-Lokführer des Metronom zu Wort

„Es geht um Werte und Moral“

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Lokführer Andreas Panczyk ist Mitglied der GDL-Tarifkommission Metronom – mit einem Brief an die Fahrgäste werben seine Kollegen und er jetzt um Verständnis für die harte Tarifauseinandersetzung.

Uelzen. Für manchen Pendler mag es wie der blanke Hohn klingen. „Gute Fahrt!“ haben die in der Gewerkschaft GDL organisierten Lokführer des Metronom ihren Brief überschrieben, in dem sie die Fahrgäste um Verständnis für die jüngsten streikbedingten Zugausfälle bitten.

Erstmals wenden sich die GDL-Lokführer des Metronom direkt an die Leidtragenden der laufenden Tarifauseinandersetzungen. Man habe den Fahrgästen viel zugemutet – „das tut uns aufrichtig leid!“, heißt es in dem zweiseitigen Schreiben, verbunden mit der Beteuerung, dass „auch wir den Streik schnellstens beenden wollen“.

Rund 120 Lokführer beschäftigt der Metronom, etwa zwei Drittel sind in der GDL organisiert. Einer von ihnen ist Andreas Panczyk, Mitglied der GDL-Tarifkommission Metronom. Man wisse, dass man derzeit von vielen Seiten angegriffen werde, sagt Panczyk. Von den Fahrgästen, aber auch von der Metronom-Geschäftsführung, von den Metronom-Gesellschaftern, der Konkurrenz-Gewerkschaft EVG...

Mehr als zwei Drittel der Züge fallen aus, wenn die Lokführer-Gewerkschaft zum Streik aufruft. Ein Drittel fährt also, darunter sind auch einige GDL-Lokführer. Denn nicht alle können sich den Streik leisten. Die 75 Euro Streikgeld als täglicher Gehaltsersatz sind zu wenig für manchen Kollegen, der jeden Euro zwei Mal umdrehen muss, weiß Panczyk.

Und natürlich drückt der Streik beim Metronom das Betriebsklima unter den Gefrierpunkt. Erschwerend kommt dazu, dass das Anliegen der Lokführer der Öffentlichkeit kaum vermittelbar ist. „Forderungen von Gewerkschaften werden oft pauschal als überzogen und populistisch empfunden, das wissen wir“, schreiben die GDL-Lokführer des Metronom. Doch man streike weder, „weil wir den Hals nicht vollkriegen können“, noch weil die GDL so auf Mitgliederwerbung gehe.

„Es geht um Werte, um Moral“, heißt es weiter. Beim Metronom hätten die Fahrgäste immer im Mittelpunkt der Firmenphilosophie gestanden, die Mitarbeiter seien hoch motiviert gewesen, das Reisen so angenehm wie möglich zu gestalten. „Leider hat sich die Firma Metronom seit der Einflussnahme der Gesellschafter vor einem Jahr stark verändert“, schreiben die Lokführer weiter.

Das betreffe die hohen Maßstäbe bei der Ausbildung, beim Umgang mit Mitarbeitern und der Entlohnung. Denn bei der Ausschreibung von Bahnstrecken gehe es nicht mehr um Qualität, sondern um das billigste Angebot. Deshalb hätten erste Eisenbahnkonzerne die Löhne bereits gesenkt, es drohten Defizite bei der Lokführer-Ausbildung.

„Deshalb wehren sich die Unternehmen massiv gegen die GDL-Forderung des Schutzes vor Arbeitsplatzverlust bei Betreiberwechsel“, so die Lokführer. „Die Situation ist festgefahren“, räumt Andreas Panczyk ein. Aber der Streik müsse fortgesetzt werden. Damit man weiter „Gute Fahrt“ über Fahrgastinformationen schreiben könne – mit gut ausgebildeten Lokführern.

Von Thomas Mitzlaff

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