„Wir versuchen es ohne Gift“

AZ geht der Frage nach: Wie teuer ist Bio wirklich und gibt es Alternativen?

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An Stephan Kellers (links) Stand mit Bio-Gemüse ist immer etwas los. Doch auch das Angebot von Klaus Dieterich lockt an anderer Stelle viele Kunden an. 

Uelzen – Glyphosat, Kohlenstoffdioxid, Plastik, Stickoxide, Feinstaub, Monokultur: Für manchen sind das Wörter des Schreckens. Sie stehen für einen ungesunden Lebensstil, der unsere Gesellschaft in den vergangenen Jahrzehnten prägt.

Doch wie teuer ist ein vermeintlich gesundes Leben wirklich? Bezogen auf biologisch produziertes Gemüse? Die AZ hat auf dem Uelzener Wochenmarkt einen Preischeck gemacht. Dort stehen einige Anbieter von Gemüse unterschiedlicher Herkunft und Qualität.

So auch Stephan Keller, der ausschließlich Bio-Gemüse anbietet, das nach Demeter-Richtlinien angebaut wird. „Demeter ist der Rolls Royce unter dem Bio-Gemüse“, zeigt sich der Verkäufer überzeugt. Den höheren Preis gegenüber herkömmlich erzeugtem Gemüse erklärt Stephan Keller so: „Da wir keine Chemie zur Unkrautbekämpfung und wenig Maschinen einsetzen, muss alles per Handarbeit gemacht werden.“ Vor einigen Jahren sei durch die Einführung des Mindestlohns auch noch mal alles teurer geworden.

Eine weitere Besonderheit beim internationalen Demeter-Verband sei, dass dem Hofkreislauf von außen nichts hinzugefügt werden dürfe, alles müsse von innerhalb kommen. Beispielsweise dürfe nur selbst erzeugtes Saatgut verwendet werden. Und durch die Internationalität könne man auch Südfrüchte anbieten, die von Demeter-Höfen aus wärmeren Gefilden importiert werden.

An anderer Stelle des Marktes steht Klaus Dieterich, der mit seinem Familienbetrieb konventionell angebautes Gemüse anbietet. „Bio hört sich immer gut an, doch es besteht die Gefahr, dass bei Befall gleich alles kaputt geht.“ In vielen Anbaugebieten habe man mit Pilzen oder Insekten zu tun, da sei Bio so gut wie unmöglich. „Trotzdem versuchen wir, ohne Gift auszukommen, wir setzen es, anders als die Großbetriebe, nur bei tatsächlichem Befall ein“, führt Dieterich weiter aus.

Beide Stände können preislich nicht mit dem Supermarkt oder Discounter mithalten, bieten aber eine Alternative für das Einkaufen von frischem Gemüse aus der Region. Und genau das schätzen die Kunden des Uelzener Wochenmarktes.

VON ANDREAS URHAHN

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