Klein Liederner befürchten Aussterben ihres Ortes / Stadt will derzeit keine Baugebiete in Satellitendörfern

„Es geht um die Existenz“

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Die Klein Liederner wünschen sich, dass die Lücke zwischen dem Dorfkern und einem kleineren Wohngebiet mit Baugrundstücken für junge Familien geschlossen wird – auch, um die Zukunft ihres Ortes zu sichern. Doch die Stadt hat andere Pläne.

Klein Liedern/Hanstedt II. Langsam geht die Sonne über den Feldern rund um Klein Liedern auf, die Vögel zwitschern. Kühe grasen auf einer saftigen Weide, und zwischen weiten Grünflächen und verwunschenen Wäldern fügen sich Bauernhäuser in die Dorf-idylle ein.

Wilfried Teichmann

Doch der Gedanke an die Zukunft treibt den Klein Liedernern Sorgenfalten auf die Stirn: „Für die Versorgung der Älteren sind junge Menschen wichtig“, erklärt Ortsbürgermeister Wilfried Teichmann und fordert von der Stadt bei der Ausweisung neuer Baugebiete: „Die Satellitenortschaften dürfen nicht vergessen werden.“

Mancher Bürger formuliert es noch drastischer: „Es geht um die Existenz“, sagt der Klein Liederner Andreas Barz. Ortsratsmitglied Christoph Schulz befürchtet: „Wenn nicht bald was passiert, ist da in zehn Jahren Schluss.“ Wenn Dörfer erst einmal beginnen, auszusterben, seien sie für junge Leute nicht mehr attraktiv.

Keine Frage: Klein Liedern ist ein Ort, an dem sich Familien wohlfühlen würden. Jeder kennt jeden in dem 70-Einwohner-Dorf, Kinder können in der freien Natur spielen und mit dem Auto sind Uelzen und später auch die A 39 innerhalb von fünf Minuten zu erreichen. Aber wenn die Autobahn gebaut ist, wären Preise für Baugebiete in Klein Liedern erheblich teurer.

Wenn es nach der Verwaltung geht, wird es in Klein Liedern in den nächsten Jahren keine neuen Baugrundstücke geben. Zwar gibt es eine Ackerfläche zwischen dem Dorfzentrum und einem kleineren Wohngebiet, doch die Stadt plant nicht, dieses zeitnah als Baufläche anzukaufen.

„Wir wollen in Klein Liedern kein Baugebiet mit 30 Plätzen ranhängen“, erklärt Uelzens Stadtbaurat Karsten Scheele-Krogull, denn der dörfliche Charakter solle nicht verändert werden. „Das wollen wir auch nicht. Es geht um einen Schulterschluss zwischen den beiden Wohngebieten“, erklärt Andreas Barz. Und Abrundungen, so bestätigt es der Stadtbaurat, seien „natürlich immer möglich“.

Nicht ganz so existenzbedrohend gestaltet sich die Situation in Hanstedt II, doch auch dort tut sich laut dem Ortsbürgermeister zu wenig. Ein Grundstückseigentümer würde gerne verkaufen, und die Stadt hat auch Interesse signalisiert. Konkrete Verhandlungen gab es aber bisher nicht. „Nach meinem Wissen hat es erst ein Telefonat gegeben“, berichtet Wilfried Teichmann im Ortsrat. „Vielleicht wäre es mal angebracht, ein Gespräch zu führen.“ Scheele-Krogull erklärt, dass man nicht vor habe, vor dem Jahr 2025 in Hanstedt II tätig zu werden. „Wir wollen den Eigentümern dann auch keine falschen Hoffnungen machen.“ Es bringe nichts, Grundstücke, die erst in ein paar Jahren interessant seien, jetzt schon zu kaufen, weil man dann doppelt Geld für Bodenproben ausgeben müsste. Denn das Grundstück müsste ja jetzt und wieder in ein paar Jahren untersucht werden. Darüber hat Wilfried Teichmann seine eigene Meinung: „Das sind Ackerflächen. Was glaubt man, dort zu finden?“

Am Ende entscheidet die Stadt, wo sie Flächen für Baugebiete ankauft und wann. Und so sieht es aus, als seien Neubürger, die in ihrem Ort Häuser bauen, für die Klein Liederner und Hanstedter Zukunftsträume.

Von Sandra Hackenberg

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