Bundeswaldinventur: Waldmärkerschaft Uelzen wendet sich gegen Pläne des grünen Landwirtschaftsministers

Wem gehört der Wald?

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Die Waldmärkerschaft Uelzen erntet 150 000 Festmeter Holz im Jahr, deutlich mehr als nachwächst. Immer noch dominiert mit 75 Prozent die Kiefer in den Privatwäldern.

Uelzen/Landkreis. Deutschland hat viel Holz vor der Hütte: Ein Drittel des Landes, in Niedersachsen ein Viertel, sind mit Wald bedeckt.

Und obwohl die Förster seit Jahren gute Geschäfte mit dem Holz machen, ist der Holzvorrat innerhalb von zehn Jahren um sieben Prozent gestiegen. Die Zahlen stehen im Bericht zur Bundeswaldinventur, den Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) gestern in Berlin vorstellte. Trotzdem wird um den Wald gestritten. Dr. Markus Hecker, Geschäftsführer der Waldmärkerschaft Uelzen, kritisiert Niedersachsens grünen Landwirtschaftsminister Christian Meyer, der den Wald noch naturnäher machen will.

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In Niedersachsens Wäldern wachsen wieder mehr Laubbäume

Seit der letzten Inventur ist die Laubbaumfläche in Niedersachsen um 30 000 Hektar gestiegen. Mit Hilfe einer neuen Waldbauförderung soll dieser Anteil weiter erhöht werden. „Wir wollen erreichen, dass der begonnene Waldumbau hin zu vitalen, naturnahen, klimaplastischen und produktiven Mischwäldern fortgeführt und weiter beschleunigt wird“, verkündete Meyer gestern. „Denn solche Wälder sind den Herausforderungen des Klimawandels besser gewachsen als die naturfernen einschichtigen Nadelwälder früherer Zeiten.“

Auch die Waldmärkerschaft Uelzen pflanzt im Schnitt jedes Jahr 150 bis 200 Hektar Mischwald. Doch die von Meyer erwähnte Förderung für Laubbäume wurde bereits 2013 ausgesetzt. Allein die Einzäunung der Buchenpflänzchen gegen Wildverbiss kostet 2000 bis 3000 Euro, rechnet Dr. Hecker vor. „Ich nehme an, dass sich zukünftig wieder mehr Waldbesitzer für Nadelwald entscheiden.“

Auf immer noch 75 Prozent der 32 000 Hektar Privatwald im Landkreis Uelzen wachsen Kiefern. Beim Nachwuchs setzen die Waldmärker vor allem auf Kiefern und Douglasien. Das sei nicht nur eine ökonomische Entscheidung. „Kiefern und Douglasien können Trockenheit und arme Standorte gut verkraften“, erklärt der Chef der Privatwaldbesitzer. „Die Buche ist hier auf dem Heidesand die völlig falsche Baumart. Wir brauchen stabile Wälder, wenn der Klimawandel kommt.“

150 000 Festmeter Holz pro Jahr schlägt die Waldmärkerschaft ein, doppelt so viel wie vor 20 Jahren. Trotzdem ernten auch die Privatwaldbesitzer weniger als nachwächst. Der Holzvorrat in Uelzener Wäldern wächst um ein bis zwei Festmeter pro Hektar. Mit Sorge sieht Dr. Hecker die Pläne des Ministers, bis 2020 zehn Prozent der Wälder als ökologische Naturwälder auszuweisen. Das sei auch ein Eingriff in das Eigentum der 1500 Waldeigentümer im Landkreis Uelzen, die mit dem Wald auch einen Teil ihres Einkommens erwirtschafteten.

Wilfried Meyer von der BUND-Kreisgruppe Uelzen begrüßt die Ergebnisse der Bundeswaldinventur. „Den Umbau zu Laubwald finden wir gut, weil die Grundwasserbildung unter Laubwald besser stattfindet als unter Nadelwald.“ Neue Baumarten wie die Douglasie sehen die Umweltschützer kritisch: „Die Douglasie ist für die Waldbesitzer interessant, weil sie ein Wachstum von bis zu 80 Zentimetern im Jahr hat, aber sie bietet wenig ökologischen Lebensraum für Pflanzen und Tiere.

Von Gerhard Sternitzke

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