Uelzen stößt beim Internationalen Hansetag auf große Aufmerksamkeit

Geheimtipp Klosterkruste

Fühlen sich offenbar wohl auf dem Nagelb(r)ett: Die Akrobaten Kalmargycklarna aus Schweden kennen keinen Schmerz.

Lüneburg/Uelzen. Der Duft nach frischem Brot raubt einem fast die Sinne. Kein Wunder, türmen sich hinter Erna Schütte, Margret Drögemüller und Inge Niemann doch gleich mehrere Dutzend runder Laibe.

„Je ein Drittel Buchweizen, Dinkel und Roggen“, erklären die drei Damen unermüdlich den neugierigen Besuchern das mittelalterliche Rezept der „Klosterkruste“ aus dem Hause Warnecke in Stadensen. Dazu Wildschweinleberwurst mit Preiselbeeren von Moritz, dick bestrichen für einen Euro –– keine Frage, die Uelzener haben ihre Nische gefunden zwischen der schier unendlich breiten Palette an Köstlichkeiten, die an 100 Ständen aus ganz Europa beim 32. Internationalen Hansetag in Lüneburg angeboten werden. „400 Brote wollen wir schon verkaufen“, gibt Stadtführerin Margret Drögemüller augenzwinkernd das ehrgeizige Ziel aus.

Ob Kräuterschnäpse oder unzählige Liköre, Wurstspezialitäten, leckere Marmeladen oder Hausgemachtes aus Estland, Litauen und Schweden – Genießer werden geradezu überflutet mit Angeboten auf den Festmeilen zwischen Marktplatz, Stint und Sande.

„Auf unserem Marktplatz lernt man Menschen kennen, bei diesem Fest hier lernen wir Europa kennen“, hatte Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge bei der Eröffnung des 32. Internationalen Hansetages gestern Vormittag gesagt. Und es ist mehr noch als ein Fest der Begegnungen, das vier Tage in der Salzstadt gefeiert wird. Es ist ein Fest der Vielfalt, ein Fest der Sinne, der Traditionen, der Köstlichkeiten...

Herz des Festes ist der Hansemarkt, der gleich auf vier Straßen aufgebaut ist. Uelzen ist an der Waagestraße im Schatten des Rathauses präsent. Der Stromausfall in der Heimatstadt hat der Crew zwar die Anreise erschwert – fährt der Metronom nun oder nicht? – aber als mittags die Sonne herauskommt, kann man an den beiden Ständen trotz aller Widrigkeiten schon wieder lachen. Und wenn doch mal eine dunkle Wolke aufzieht, hält Bürgermeister Otto Lukat schützend den Schirm über die Damen aus der Touristinformation, die „Fridolin“, den begehbaren Hundertwasser-Bahnhofsstand nicht aufklappen können. Der Anhänger war am Vortag falsch herum aufgestellt worden und kann nun nicht mehr gewendet werden...

Doch das sind Kleinigkeiten, wichtig ist: Uelzen stößt auf große Aufmerksamkeit des internationalen Publikums. Als einzige Hansestadt präsentiert Uelzen auf dem Lüneburger Hansetag ein zweistündiges Kulturprogramm. Am Sonntag von 11 bis 13 Uhr treten auf der Bühne an der Bardowicker Straße die Nachtwächtergruppe, flutes & drumes, die Jugend-Big Band der Musikschule, Colours of Rock, Alina Ziegenbein, Dance im TV Uelzen und die DizWonCrew Uelzen auf.

Kunst wird auch groß geschrieben: Im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg ist noch bis zum 14. Oktober mittelalterliche Zeugnisse historischer Hanse gezeigt. Dort ist auch das Goldene Schiff der Stadt Uelzen zu sehen.

Derweil findet die Klosterkruste auf der Festmeile weiter reißenden Absatz. Davon profitiert der Tourismus in Uelzen: Mit dem Erlös wird unter anderem die weitere Ausgestaltung der Nachtwächterführung, zum Beispiel die Anschaffung weiterer Kostüme, finanziert.

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Von Thomas Mitzlaff

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