Rudolf Breimeier: Vorschlag löst Kapazitätsprobleme der Bahn nicht / Mindestens vierspuriger Ausbau der Strecke Lüneburg-Uelzen

Gegenwind für die Alpha-Variante

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Ein dreispuriger Ausbau der Strecke Uelzen-Lüneburg reicht nicht, um die Gütermengen abzutransportieren, sagt Breimeier.

Uelzen/Landkreis. Über 20 Jahre war die Y-Trasse ein Begriff in der Heide; jetzt ist die sogenannte Alpha-Variante in aller Munde.

Nachdem Politiker, Kommunen und Bürgerinitiativen sich in der Diskussion um eine bessere Hafen-Hinterlandanbindung und die dazu erarbeiteten Varianten für einen Bestandsausbau vor einem Neubau von Trassen ausgesprochen haben, scheint die Idee, einzelne Strecken um weitere Gleise zu ergänzen, als ein für alle Beteiligten gangbarer Kompromiss. Das wurde auch am Wochenende bei einer Sternfahrt von Bürgerinitiativen mit rund 200 Teilnehmern nach Beetzendorf (Landkreis Lüneburg) deutlich. Und die Bahn erklärt sogar: Unter allen vorgeschlagenen Ideen wäre die Alpha-Variante in Teilen auch am schnellsten zu realisieren. Rudolf Breimeier gießt jetzt Wasser in den Wein.

Der frühere Bahnprojektierer, der selbst auch eine Variante ausgearbeitet hat, sagt: Die Alpha-Variante finde vielleicht die meisten Befürworter, sie eigne sich aber nicht, um die steigenden Gütermengen auf Gleisen abzutransportieren. Die Kapazitätsprobleme blieben bestehen.

Kern der Alpha-Variante ist die Ertüchtigung der Amerika-Linie sowie ein dreigleisiger Ausbau der Bestandsstrecke Lüneburg-Uelzen. Aus den Prognosen zu der Entwicklung der Gütermengen gehe hervor, dass auf dem Teilstück Lüneburg-Uelzen mit 452 bis 516 Zügen je Tag zu rechnen sei.

"Eine Lösung, die keine ist?" Den Kommentar von Redakteur Norman Reuter finden Sie am Dienstag in der AZ.

Aus der Praxis wisse man, dass bei zwei Gleisen eine Leistungsfähigkeit von 300 bis 320 Zügen erreicht werden könne. Ein drittes Gleis ermögliche eine Kapazitätserweiterung bis zu 80 zusätzlichen Zügen, so Breimeier. Die Teilstrecke müsse also mindestens auf vier Gleise erweitert werden, um den angenommenen Verkehr bewältigen zu können.

„Das wird nicht ohne Eingriffe in die Bebauung möglich sein“, sagt Breimeier. Bei einem vierspurigen Ausbau würde die Bestandsstrecke in der Breite um 15 Meter wachsen.

Auch aus einem anderen Grund sei die Alpha-Lösung nicht das Allheilmittel – vor allem für die Deutsche Bahn. Ein drittes und viertes Gleis könnte wegen der Gegebenheiten nicht einfach neben die bereits bestehende Trasse gelegt werden, auch die Altstrecke an sich müsse angepackt werden – und dies, wie es die Bahn nennt, unter „rollendem Rad“. Die Kapazitätserweiterung würde im laufenden Betrieb erfolgen, was für Pendler und Reisende jahrelange Störungen im Betrieb bedeute. Zugverspätungen und -ausfälle seien zu erwarten.

Seine Kritik an der Alpha-Variante hat Breimeier, der im Dialogforum als Bahnexperte angehört werden darf, an Ratsmitglieder und Bürgermeister in der Heide verschickt. Paralell dazu hat er, zusammen mit dem Verkehrsclub Deutschland (VCD), eingefordert, dass auch seine Variante hinsichtlich des Kosten-Nutzen-Verhältnisses noch einmal untersucht wird. Nur bei einem Verhältnis von 1,0 oder besser kann eine Variante später umgesetzt werden. Weder die Breimeier-Variante, bei der eine bereits stillgelegte Ost-West-Trasse von Bremen nach Wittenberge reaktiviert werden würde, noch die Alpha-Variante können dieses Verhältnis vorweisen. Jedoch wurde für letztere eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die die Variante auf den Wert 1,0 optimieren soll.

Von Norman Reuter

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