Kommentar zum Verschwinden von Uhu „Uhli“

Das Gegenteil von Tierschutz

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„Uhuline“ bewohnt derzeit alleine die Voliere im Uelzener Wildgatter, seit ihr Partner „Uhli“ in der Nacht zu Montag vermutlich nach draußen gescheucht wurde. Seitdem ist der etwa 60 Zentimeter große „Uhli“, der aussieht wie seine Uhu-Dame, verschwunden.

Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres wurde im Uelzener Wildgatter eingebrochen. Nachdem Gans „Pietsch“ von einer selbst ernannten Tierschützerin entführt – und glücklicherweise zurückgebracht – wurde, traf es nun Uhu „Uhli“.

Zwar sind die Beweggründe der Täter unklar, doch alles deutet darauf hin, dass jemand den Uhu befreien und ihm die Freiheit schenken wollte. Denn entführt wurde „Uhli“ nicht, er wurde einen Tag später auf einem Baum gesehen. Für einen schlechten Scherz war die Tat zu gut geplant, immerhin sind die Unbekannten mit einer Brechstange angerückt.

Tiere in Gefangenschaft sind ein umstrittenes Thema. Doch in diesem Fall handelt es sich nicht um einen Zirkuslöwen, der die meiste Zeit in einem kleinen Käfig herumtigert, wenn er nicht gerade Kunststücke vorführen muss. „Uhli“ ist ein Uhu, der in einem Wildgatter geboren wurde und die Freiheit nie kennengelernt hat. Der Stadtförster erklärt, dass der Vogel mit der Welt außerhalb seiner Voliere – die übrigens doppelt so groß ist wie gesetzlich vorgeschrieben – nicht zurechtkommt.

„Uhli“ ist daran gewöhnt, gefüttert zu werden, er hat noch nie gejagt. Er weiß nicht, dass er nicht auf dem Boden schlafen darf, weil er dann leichte Beute für Füchse ist. Er hat noch nie in seinem Leben einen Fuchs gesehen.

Dass „Uhli“ überfordert ist, zeigt sich daran, dass er sich nicht gewehrt hat, als er von Krähen und Eichelhähern malträtiert wurde. Wenn er nicht bald gefunden wird, stirbt er. Und die Chance, „Uhli“ zu finden und einzufangen, sind verschwindend gering. Das kann nicht die Motivation der Täter gewesen sein, denn das ist das Gegenteil von Tierschutz: Es ist Tierquälerei.

Ob „Uhli“ glücklich mit seinem Leben im Wildgatter war, kann niemand wissen, unglücklich war das Uhu-Pärchen aber nicht. Denn „Uhuline“ brütet jedes Jahr – ein sicheres Zeichen dafür, dass es den Vögeln nicht schlecht geht.

Zu dem Leid der Tiere kommt der Schaden, der sowohl im Fall von „Pietsch“ als auch in dem von „Uhli“ im Wildgatter verursacht wird. Dieses ist Tag und Nacht, an 365 Tagen im Jahr, für die Besucher frei zugänglich. Das ist etwas Besonderes, was es in dieser Form nur in wenigen Orten gibt. Die Hansestadt Uelzen vertraut darauf, dass die Tiere von den Besuchern anständig behandelt werden. Es ist eine Schande, dass dieses Vertrauen wiederholt missbraucht wird.

Derzeit laufen im Wildgatter Vorbereitungen für einen Zaun, der das komplette Gelände umschließen soll. Der Zugang ist dann nur noch über Tore möglich. Die sollen aber unverschlossen bleiben, betont der Stadtförster. Denn es handelt sich lediglich um eine Vorsichtsmaßnahme, um die Tiere vor der drohenden afrikanischen Schweinepest zu schützen.

Wenn sich solche Einbrüche aber häufen, ist es gut möglich, dass sich das ändert. Und das will sicher niemand.

Von Sandra Hackenberg

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