Gegen die Schwerkraft

Teresa Markefke übersprang am Ende 2,15 Meter.

Uelzen - Von Barbara Kaiser. „Sorgen Sie dafür, dass hier vorm Rathaus mal Luftsprünge gemacht werden“, begrüßte die frisch gebackene Stellvertreterin des Bürgermeisters, Ute Chlechowitz, die Teilnehmer der Stabhochsprung-Kreismeisterschaft. „Wir in der Politik haben derzeit nicht so viel Grund dazu.“ Das ist für eine Politikerin ein hohes Maß an Selbstkritik!

Hoch hinaus wollten am Sonnabend auf dem Herzogenplatz auch die 30 Sportler, die sich einer der schwierigsten Disziplinen widmen, dem Stabhochsprung. Der Weltrekord darin liegt gegenwärtig bei unvorstellbaren 6,10 Metern und wird vom Russen Sergej Bubka gehalten. Man springt dort mit einer Stablänge von 5,50 Meter.

„Bei Regen wäre es einfach nicht gegangen“, freute sich Wilfried Teichmann vom ausrichtenden SV Hanstedt II über die Publikumskulisse, die von Peter Hellström informiert wurde. Lautstarke Anfeuerung mögen diese Sportler nicht wegen der nötigen Konzentration auf den stimmigen Anlauf, die Handhabung des Stabes, der hier immerhin noch 4,50 Meter misst. Die strahlende Sonne machte den Wettkampf zusätzlich zur Schweiß treibenden Angelegenheit.

Im Publikum und mit großzügigen Ratschlägen die Aktiven unterstützend, fand sich der Olympiasieger des Jahres 1980, Wladyslaw Kozakiewicz. Der Pole gewann in Moskau – wir erinnern uns, das waren die Boykottspiele durch den Westen wegen des Afghanistan-Einmarsches der Sowjetunion – gegen die Zuschauer eines voll besetzten Olympiastadions, die sich ziemlich unsportlich verhielten. Seine Siegergeste von damals wollte Kozakiewicz auf dem Herzogenplatz allerdings nicht wiederholen!

Aus sechs Vereinen kämpften die Athleten um die beste Höhe. Thomas Pfitzner aus Alfeld war mit 4,60 Metern der Favorit; Kreisrekordhalter ist Martin Zweigert mit 68 Zentimetern weniger. Als Ältester unter den Teilnehmern konnte Klaus Koch aus Bienenbüttel gelten. Hat man mit 71 Jahren keine Angst vor Verletzungen? Er sei noch nie ernsthaft verletzt gewesen, erwidert der Sportler. Und: Als er „noch jünger, also etwa 50 war“, sei er mal 2,80 Meter gesprungen. „Heute nehme ich mir die zwei Meter vor.“ – Im Publikum hört man leise einen Mann sagen: „Der ist mein Jahrgang…“. Was wohl höchste Anerkennung hieß.

Am Ende eines schönen Wettkampftages, der mit einer Höhe von 1,65 Meter begann und ein interessiertes Publikum sah, fiel die Stange bei 4,60 Meter endgültig auch im dritten Versuch. Thomas Pfitzner wurde aber mit 4,35 Meter seiner Favoritenrolle gerecht. Neuer und alter Kreismeister ist Martin Zweigert, der seinen eigenen Rekord um drei Zentimeter auf 3,95 Meter verbesserte. Bei den Frauen sprang Katrin Pfitzner mit 3,25 Meter am höchsten.

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