Von Woche zu Woche

„Gegen alles“ wird nicht klappen

 Es war in vielerlei Hinsicht ein denkwürdiger Besuch des niedersächsischen Wirtschaftsministers Olaf Lies am Dienstag im Kreis Uelzen.

Zwar war die Rundreise deklariert als Teil einer „Sommertour“, doch die Themen waren keineswegs locker-leicht – es ging um Grundsätzliches wie die künftige Verkehrsinfrastruktur der Region, die die demografische Entwicklung auf dem Lande entscheidend beeinflussen wird und bei der es auch um viele Arbeitsplätze geht.

Vorab gleich eines: Olaf Lies hat viel Richtiges gesagt bei seinen Terminen in Bad Bevensen und Lüneburg. Etwa, dass die Menschen hier in der Region realisieren müssen, dass es strukturelle Veränderungen auch auf dem Lande geben wird und man sich damit auseinandersetzen muss. Nur zu sagen, alles soll so bleiben und deshalb sind wir gegen eine Autobahn, gegen eine Eisenbahn und auch gegen Windräder vor unserer Haustür – das wird nicht funktionieren.

Thomas Mitzlaff

Die Kritik an diesen Projekten ist teils fundiert und differenziert, oftmals diffus. Sie ist mit Ängsten verbunden und somit sehr emotional. Und das heißt: Man muss sich mit ihr sehr ernsthaft und intensiv auseinandersetzen. Und diesem Anspruch ist der Wirtschaftsminister leider nicht gerecht geworden bei seinem Besuch in Bad Bevensen. Denn, man muss es so deutlich sagen, die als „Treffen mit Autobahngegnern“ angekündigte interne Sitzung war eine Farce. Es gibt einen regen Widerstand gegen die A39, der zwar sehr laut ist, aber – und das schätzt Uelzens Landrat wohl richtig ein – nur eine relativ kleine Minderheit bildet. Doch diese Kritiker haben viele Argumente zusammengetragen. Mit diesen Bürgern hat sich Lies nicht zusammengesetzt. Und dann in die Öffentlichkeit zu gehen mit dem Satz „Gegner habe ich nicht gesehen“ ist ein Affront, der nicht nötig gewesen wäre.

Denn es gibt so viele gute Gründe für den Bau der Fernstraße zwischen Wolfsburg und Lüneburg, bei dem der Widerstand gerne die große Gesamtheit dieses Projektes übersieht und stattdessen nur vor die eigene Haustür schaut. Es ist nicht nur die notwendige Hafenhinterlandanbindung, ohne die mittelfristig die norddeutschen Häfen an Bedeutung und Arbeitsplätzen verlieren werden.

Es geht hier längst nicht nur um die Menschen im Landkreis Uelzen, der ein Aussterben der Dörfer befürchten muss, wenn er für junge Familien unattraktiv wird, weil das Pendeln zum Arbeitsplatz unzumutbar ist.

Da ist der benachbarte Landkreis Lüchow-Dannenberg, der über keine gute Bahnanbindung verfügt und dessen Bürger praktisch abgehängt sind von der Verkehrsinfrastruktur.

Nicht besser ergeht es der Altmark, die sich eine vorbildliche Kinderbetreuung schon im Grundschulalter viel Geld kosten lässt, aber rund 30 Prozent der Bevölkerung in den nächsten 20 Jahren verlieren wird, wenn man nicht endlich einen vernünftigen Straßenanschluss bekommt.

Die Zeiten ändern sich, neue Generationen stellen andere Ansprüche. Mit einem „Es soll alles bleiben wie es ist“ und einem damit verbundenen Widerstand gegen Schienenprojekte, weil sie womöglich vor der eigenen Haustür umgesetzt werden, gegen Windräder, weil sie zu laut sind und gegen eine Autobahn, weil darauf Lastwagen fahren, wird man der Verantwortung für die nächste Generation nicht gerecht. Sie wird sich dann ihre eigenen Wege suchen – und die Region stirbt.

Von Thomas Mitzlaff

Rubriklistenbild: © dpa

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