Mit Gefühl in die fremde Familie

Umsorgt von Dorfhelferin Heidemarie Schulz (rechts): Astrid Ludwig, Felix und Finn. Links: Leiterin Ute Friedrichs.

Uelzen - Von Diane Baatani. Etwa zehnmal pro Jahr lernt sie eine neue Familie kennen, mit all ihren angenehmen, aber auch gewöhnungsbedürftigen Seiten. Heidemarie Schulz ist eine von drei Dorfhelferinnen im Landkreis Uelzen, die engagiert werden, wenn eine Familie ganztägig Unterstützung benötigt und die Kriterien für eine Bewilligung durch die gesetzlichen Krankenkassen erfüllt.

„Mit Gefühl“ stellt sich die 55-Jährige auf die Familienmitglieder ein. „Manche Menschen haben Angst, eine fremde Person im Haushalt zu haben“, weiß sie aus ihren 35 Jahren Berufserfahrung. Diese Bedenken hatte anfangs auch Astrid Ludwig. Die junge Mutter aus Uelzen braucht zurzeit eine Hilfe für ihre vier Monate alten Zwillinge Felix und Finn. Bei der Frühgeburt der Kinder wurde ihr eine während der Schwangerschaft entstandene Herzschwäche diagnostiziert. Diese seltene Erkrankung zog einen längeren Klinikaufenthalt und auch weitere Arztbesuche mit sich. Nun darf die 31-Jährige sich nicht überlasten. „Der Kopf sagt, das schaffst du alles“, erklärt Ludwig die Schwierigkeit, viele alltäglichen Arbeiten abzugeben. Aber wenn sie zum Beispiel zwei Babysitze ins Auto heben oder einkaufen muss, ist sie für die Unterstützung durch Heidemarie Schulz dankbar.

Dass Dorfhelferinnen zur Pflege der Jüngsten eingesetzt werden, kommt in diesem Landkreis zu weniger als 50 Prozent vor. Überwiegend werden Schulz und ihre Kolleginnen noch zu landwirtschaftlichen Aufgaben gerufen: Den Gemüsegarten und das Kleinvieh versorgen, manchmal Kartoffeln roden und sortieren. Immer häufiger werden sie auch zur Unterstützung von Altenteilern eingesetzt. Um die Koordinierung dieser Einsätze kümmert sich Ute Friedrichs, Leiterin der Dorfhelferinnen-Station Uelzen. Im gesamten Landkreis und darüber hinaus werden die beiden Vollzeit- und eine Teilzeitkraft engagiert. Wenn die Fahrtzeit mehr als eine Stunde beträgt, müssen sie vor Ort übernachten.

In diesem Monat haben die Uelzener mit dem Dorfhelferinnenwerk den 50. Geburtstag gefeiert. Als 1960 die diakonische Einrichtung gegründet wurde, entstand ein fast flächendeckendes Netzwerk zur Unterstützung von landwirtschaftlichen Betrieben. Bis heute gibt es noch landesweit 40 Stationen.

Voraussetzung für diesen Beruf ist eine abgeschlossene Ausbildung zur Hauswirtschafterin sowie eine mindestens einjährige Erfahrung in der Hauswirtschaft. Zur Fortbildung zur Dorfhelferin gehören neben dem Theorie-Teil auch Praktika in Kindergärten, Säuglingspflege, Altenpflege und Behindertenarbeit.

Weitere Informationen über die Kriterien zur Finanzierung des Dorfhelferinnen-Einsatzes durch die Krankenkassen oder die Landwirtschaftlichen Sozialversicherungsträger gibt es unter dhw-nds.de.

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