Uelzener Bundespolizei erlebt steigende Gewaltbereitschaft junger Männer

Gefahren: Alkohol und Böller

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Die Uelzener Bundespolizeiabteilung im Fußballeinsatz: Die Beamten nehmen eine steigende Gewaltbereitschaft bei alkoholisierten Fußballfans, aber auch bei Rechtsextremen und Linksautonomen wahr.

Uelzen. Die Gewaltbereitschaft wächst, an Respekt mangelt es, und die Randalierer kennen ihre Rechte gut.

Wolfgang Kühl

Das berichtet Wolfgang Kühl, Leiter der Uelzener Bundespolizeiabteilung, mit Blick auf die schweren Verletzungen eines Fußballfans nach Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Gruppen in Köln. Gewalttätige Fußballanhänger sowie Rechts- und Linksextreme stellen seine Mitarbeiter immer wieder vor neue Herausforderungen, erklärt Kühl. Sie müssen sich intensiver vorbereiten, flexibler sein und ihr eigenes Handeln kontrollieren. Denn zugleich überprüfen die ebenfalls gut vorbereiteten Radikalen das Verhalten der Polizisten und ziehen verstärkt vor Gericht, sagt er.

„Es gibt ein unwahrscheinlich großes Aggressionspotenzial.“ Das sei bei Männern zwischen 18 und 25 Jahren zu erkennen und äußere sich verstärkt unter Alkoholeinfluss. Deshalb empfehlen Kühl und der stellvertretende Zugführer Patrick Reffo Alkoholverbote in Zügen nach dem Vorbild der Uelzener Eisenbahngesellschaft Metronom und einen häufigeren Einsatz von Sonderzügen für Fußballfans.

2012 wurden nach Angaben der Bundespolizei 2310 Polizeivollzugsbeamte angegriffen, 487 dabei verletzt. Nicht nur wegen des durch einen Böller verletzten Hannover-96-Fans vor knapp zwei Wochen verfolgt die Abteilung am Hainberg auch die Diskussion um Pyrotechnik in Stadien. „Wir haben relativ viele Kollegen mit Knalltraumen“, erklärt Kühl. Als besonders gefährlich bei ihren Einsätzen erweisen sich Böller und Bengalos zum Beispiel in hallenden U-Bahn-Tunneln. Ob Körperverletzung oder Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz – diese Fälle würden „beweiskräftig vor Gericht gebracht, da gibt es überhaupt kein Pardon“.

Gehen zwei Gruppen aufeinander los, komme es vor, dass diese sich plötzlich gemeinsam gegen die Bundespolizei wenden. Und vom „Katz-und-Maus-Spiel“ spricht Reffo, wenn sich die Bundespolizei auf Einsätze vorbereite und Demonstranten oder gewaltbereite Fußball-Gruppen erst kurz vorher zum Schein eine Änderung ihrer Pläne vorgäben.

Der Bundespolizei gehe es darum, die Rechte zu wahren. „Wir müssen da sein, damit Schaden von der Gesellschaft abgewendet wird“, sagt Kühl. Würde sich niemand zwischen die Gruppen – ob Hooligans oder Links- und Rechtsextreme – stellen, könnte es schon bald einen ersten Toten geben. „Dann schaukelt es sich hoch und eskaliert.“ Er verweist dabei auf die Entstehung gewalttätiger Konfrontationen wie in Kiew oder Kairo.

Die Ausrüstung der Bundespolizei Uelzen

Ausrüstung der Bundespolizei Uelzen

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