Polizei warnt vor billigen E-Scootern / Oft fehlt der Versicherungsschutz

Gefahr auf zwei kleinen Rollen im Kreis Uelzen

E-Scooter liegen im Trend, aber oft auch achtlos auf Gehwegen in immer mehr Städten herum. Die Polizei hat bei Kontrollen im Landkreis Uelzen zuletzt vermehrt Verstöße gegen die Versicherungspflicht festgestellt.
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E-Scooter liegen im Trend, aber oft auch achtlos auf Gehwegen in immer mehr Städten herum. Die Polizei hat bei Kontrollen im Landkreis Uelzen zuletzt vermehrt Verstöße gegen die Versicherungspflicht festgestellt.

Uelzen/Landkreis – Sie sind aus immer mehr Stadtbildern nicht mehr wegzudenken. Sie liegen voll im Trend, aber leider auch oft irgendwo achtlos zurückgelassen auf Gehwegen oder Plätzen herum: E-Scooter.

Die kleinen, wendigen und oft klappbaren Elektro-Tretroller erleben einen enormen Boom.

Doch insbesondere bei der Polizei sieht man das nicht nur von der positiven Seite. Ganz im Gegenteil: Von den flotten Flitzern für die City geht angesichts von Beschleunigung, Endgeschwindigkeit, oft zu kleinen Rädern oder auch schlechter Beleuchtung eine nicht zu unterschätzende Gefahr aus. Das gilt für den Fahrer selbst, aber eben auch für andere Verkehrsteilnehmer.

Fahrzeuge oft nicht versichert

Und damit nicht genug: Immer öfter hat die Polizei auch im Landkreis Uelzen bei Kontrollen festgestellt, dass der notwendige Versicherungsschutz samt des entsprechenden Kennzeichens fehlte und dass Fahrer sogar alkoholisiert waren. Für Andreas Dobslaw, Verkehrsexperte bei der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen wiederholt sich aktuell quasi die jüngere Geschichte: „Wir müssen doch nur auf Pedelecs und E-Bikes gucken. 2014 haben wir dafür geworben, auf die Probleme damit zu achten. Anfang 2020 ist das, was wir damals befürchtet haben, eingetreten. Wenn der Anteil eines Verkehrsmittels steigt, dann steigt auch dessen Anteil an der Gesamtunfallzahl. So wird es auch bei den E-Scootern sein“, prognostiziert der Polizeihauptkommissar.

Fahrräder mit Elektroantrieb seien für andere Verkehrsteilnehmer optisch kaum von normalen Fahrrädern zu unterscheiden. „Die fahren aber 15 oder 18 km/h statt nur 8 km/h. Die Energie, die bei einem Unfall freigesetzt wird, ist höher und damit sind auch die Folgen gravierender. Spätestens dann, wenn wir in vielen Städten Verleihsysteme mit E-Scootern haben, wird es auch bei den Fallzahlen eine Reaktion geben“, fürchtet Dobslaw.

Test des ADAC deckt Bremsschwächen auf

Der Polizist vergleicht E-Scooter mit Mofas: Wer ein solches motorisiertes Fahrrad mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h fahren wolle, müsse einen Helm tragen, sein Fahrzeug versichern und eine Prüfbescheinigung vorlegen. Beim E-Scooter sei ein Helm indes nicht Pflicht, obwohl die Geschwindigkeit mit rund 25 km/h vergleichbar sei.

„Solche Hochleistungsroller sind für andere noch schwerer zu erkennen als jemand auf einem Pedelec. Gerade bei Billigmodellen ist die Beleuchtung richtig schlecht – vor allem nach hinten. Beim Abbiegen muss Handzeichen gegeben werden. Aber wer hält bei kleinen Rädern und einem schlechten Untergrund schon die Hand raus? Das sorgt zusätzlich für Instabilität“, weiß der Verkehrsexperte, der deshalb vor allem dazu rät, nicht bei der Anschaffung zu sparen.

Wer einen E-Scooter vom Discounter kaufe, müssen Abstriche bei der Qualität in Kauf nahmen. Das deckt sich mit den Testergebnissen des ADAC, der aktuell festgestellt hat: „Die Realisierung der neuen Kampfpreise geht häufig auf Kosten der Sicherheit.“ So habe sich im Vergleich zum Test 2019 der Bremsweg der meisten Scooter aus 20 km/h von zwei auf 3,4 Meter verschlechtert. „Offensichtlich sparen die Hersteller an der Qualität der Bremsen“, so der ADAC.

„Unsere Gesellschaft ist einfach nicht vorbereitet auf das neue Medium E-Scooter“, sagt Andreas Dobslaw und nennt alarmierende Zahlen: „Im ersten Quartal 2020 gab es bundesweit schon 251 Unfälle mit 39 Schwerverletzten und einem Toten.“ Für den Landkreis Uelzen liegt noch keine Unfallstatistik vor.

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