Gefährliche Körperverletzung – Polizei ermittelt wieder gegen Douglas-Bande

Alte Bekannte – neue Tat?

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Tatort Bahnhofskiosk: Am 14. August kam es zu einer gefährlichen Körperverletzung.

Uelzen. Zitat 1: „Jetzt muss Schluss sein. Ich muss mein Leben ändern.“ Zitat 2: „Ich schließe mit meiner Vergangenheit ab.“ Zwei Zitate von Mostafa E. und Hamze E. – gesprochen am 2. Mai dieses Jahres, unmittelbar nach dem Urteilsspruch vor dem Landgericht Lüneburg im zweiten Prozess gegen Mitglieder der sogenannten Douglas-Bande.

Wie sind die Zitate, heute, gut vier Monate später, einzuordnen und zu bewerten? Sind die insgesamt sechs im Zuge der Prozesse verurteilten Bandenmitglieder – die wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter schwerer räuberischer Erpressung teilweise mit und teilweise ohne Bewährung zu Haftstrafen zwischen einem Jahr und vier Monaten sowie drei Jahren verurteilt worden sind – geläutert? Haben die ohne Bewährung verurteilten Straftäter ihren Gefängnisaufenthalt in der Zwischenzeit angetreten?

Fakt ist: Am Abend des 14. August ist es nach Angaben der Polizei in Uelzen gegen 21 Uhr zu einer Auseinandersetzung mit dem Besitzer des Kiosks am Ostausgang des Hundertwasserbahnhofs gekommen. „Sechs Personen waren an dem Vorfall beteiligt. Vier von diesen Personen rechnen wir der Douglas-Bande zu. Im Zuge der Auseinandersetzung wurde der Kioskbesitzer beleidigt, provoziert, geschubst und auf den Arm geschlagen“, berichtet Dieter Klingforth, Leiter des Polizeikommissariats Uelzen. Mehr könne er derzeit zu dem Fall nicht sagen, da die Ermittlungen wegen Beleidigung und gefährlicher Körperverletzung noch auf Hochtouren liefen.

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Freiheit auf Probe

Unter anderem würden gerade unbeteiligte Zeugen verhört und Videomaterial der am Bahnhof installierten Überwachungskameras ausgewertet. Der Kioskbesitzer selbst wollte sich zu dem Vorfall nicht äußern. Bereits in der vergangenen Woche hatte es aus Polizeikreisen geheißen, Mitglieder der Douglas-Bande würden im Uelzener Stadtbild langsam wieder „Oberwasser“ bekommen. Mit einer Ausnahme: Mostafa E. – der junge Mann hat nach Angaben der Lüneburgerin Staatsanwältin Angelika Klee am 30. August seine Haftstrafe angetreten. Mostafa E. war zu zwei Jahren und vier Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Alle anderen, auch die ebenfalls ohne Bewährung verurteilten Robert K. und Ismail N., sind dagegen auf freiem Fuß. Hintergrund: Bei Robert K. und Ismail N. läuft noch das Revisionsverfahren – solange wird das Urteil, das drei Jahre beziehungsweise zwei Jahre und sechs Monate Haft vorsieht, nicht vollstreckt.

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„Allerdings hatte die Staatsanwaltschaft im Prozess die Aufrechterhaltung des Haftbefehls gefordert. Das Gericht dagegen hatte den Haftbefehl aufgehoben.“ Zur Erinnerung: Robert K. und Ismail N. hatten – ebenso wie Mostafa E., Hamze E. und Iza I. – über Monate in Untersuchungshaft gesessen. Aufgrund der kriminellen Vorgeschichte und der jetzt aktuellen Vorkommnisse am Bahnhofskiosk „stehen wir den fraglichen Personen richtig auf den Füßen“, teilt Polizeisprecher Kai Richter mit. Apropos Richter: Wie sagte Axel Knaack, Vorsitzender Richter am Landgericht Lüneburg, an jenem 2. Mai in Richtung der Verurteilten: „Das ist quasi Freiheit auf Probe. Sie stehen – auch in der Uelzener Öffentlichkeit – unter extremer Bewährungsaufsicht.“ Schlusswort des Richters am Ende des Urteilsspruches: „Ich hoffe, dass wir uns hier nicht wiedersehen.“

Von Andreas Becker

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