Tattoo-Convention zog am Wochenende tausende Besucher in die Uelzener Jabelmannhallen

Ein Gecko auf dem Unterarm

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Uelzen. Ein Surren liegt in der Luft, fetzige Musik läuft. In der Jabelmannhalle in Uelzen fand am Wochenende die erste Tattoo-Convention statt. Und diese entpuppte sich zum Publikumsmagneten.

Tausende Besucher nutzten die Veranstaltung zum Schauen, zur Inspiration und zum Tätowieren.

Bianca Heuer (28) aus Uelzen nutzte die Gelegenheit, um ihr vorhandenes Tattoo auf der rechten Schulter erweitern zu lassen. „Es soll im Sommer gesehen werden“, erklärt sie ihren Wunsch. Vor einer dreiviertel Stunde hat sie sich in die Hände von Glen begeben. Aus ihrer Blume wird eine Blumenranke, die fast über die gesamte Breite beider Schulterblätter reicht. Sie hat sich einiges vorgenommen. Auf die Frage „Tut es weh?“ antwortet sie mit einem knappen „Ja“.

Fotostrecke von der Convention

Uelzener Tattoo-Convention

Jeder nimmt den Schmerz beim Tätowieren anders wahr. Während manche ganz entspannt die Prozedur über sich ergehen lassen, sind andere doch etwas angespannt und froh, wenn die Nadeln endlich aufhören auf sie einzustechen.

Verschiedene Nadeln sind für verschiedene Linien oder Schattierungen zuständig, erklärt Tätowiererin Bine. Sie arbeitet seit vier Jahren als Tätowiererin in einem Uelzener Studio. „Um Linien zu zeichnen, nimmt man eine Nadel, die aus sieben bis neun einzelnen Nadeln besteht“, erklärt sie. „Für die ganz feinen Details werden Nadeln, deren Spitze aus drei einzelnen Nadeln besteht genommen. Für Schattierungen und zum Farbe auffüllen nimmt man Nadeln, die an der Spitze wie ein Minibesen aussehen. Die Spitze besteht aus einer Doppelreihe von elf Nadeln.“

Bine hat sich mit 18 Jahren ihr erstes Tattoo stechen lassen. Im Laufe der Jahre sind etliche dazugekommen. Nach einer „vernünftigen“ Ausbildung entschloss sie sich, selbst das Tätowiererhandwerk zu erlernen. „Es dauert lange, bis es soweit ist, selbst zu stechen. Das Lernen besteht ganz viel aus Zusehen.“

Bine hat den Arm von Kerstin Guderley aus Uelzen vor sich. Ein Gecko wird ihr achtes Tattoo. Seit einer dreiviertel Stunde schon arbeitet Bine daran und es wird noch mindestens zwei dauern, bis sich Kerstin über ihren Gecko freuen kann. Auf die Frage, welches ihr Liebingstattoo ist, antwortet sie: „Immer das neueste.“ Auch sie ist ein eingefleischter Tattoo-Fan – mit 18 Jahren lie? sie sich das erste stechen.

Für Tätowierer und Kunden ist es immer Schwerstarbeit. „Beim Tätowieren muss der Körper Schmerzen erleiden, dadurch werden Endorphine ausgeschüttet. Diese regeln die Schmerzempfindung des Körpers. Je länger eine Sitzung dauert, desto anstrengender ist es für den Körper“, erklärt Bine.

Ganz entspannt sitzt Thorsten aus Bad Bevensen auf dem Stuhl bei Tätowierer Ralf aus Jagel. Er lässt sich einen Drachen stechen, der für ihn eine besondere Bedeutung hat. Übrigens ist es nicht sein erstes Tattoo.

Für ihn ist das Tätowieren eine ganz große Vertrauensangelegenheit. „Ich lasse nicht jeden auf mich einstechen“, sagt er schmunzelnd, „Ralf darf allerdings bei mir gerne wieder zu den Nadeln greifen.“

Es gibt einiges zu sehen auf der Convention in der Jabelmannhalle. Tattoos in allen möglichen Variationen: mal klein am Handgelenk, im Nacken oder Dekolleté, andere wiederum tragen ihren Körperschmuck offen und gerne zur Schau – Tattoos am ganzen Körper in allen Farben und Motiven. Irgendwie untrennbar mit Tattoo verbunden ist das Piercing. Dabei wird der Schmuck in Form von Ringen oder Stäben an verschiedenen Stellen durch die Haut gebohrt.

Nicole Schlichting aus Bleckede ist mit dem festen Wunsch nach Uelzen gekommen, sich ein Piercing am Ohr stechen zu lassen. Sie gibt sich in die Hände von Stephie. Wie auch beim Tätowieren ist beim Piercen absolute Sauberkeit wichtig. Handschuhe, Desinfektionsspray, steril verpacktes Handwerkszeug – ohne das wird nicht gearbeitet.

Nicole legt sich ganz entspannt hin und lässt Stephie ihre Arbeit machen. Ruckzuck ist der Ohrschmuck drin, in zwei Wochen muss die Bleckederin zur Kontrolle kommen, dann wird der Stift gekürzt: „Der ist jetzt noch etwas länger“, erklärt Stephie, „weil die Stelle doch ein wenig anschwillt.“ Nicole Schlichting ist glücklich mit ihrem neuen Ohrschmuck und weh getan hat es ihr nicht: „Kinderkriegen ist schlimmer.“

Stephie arbeitet seit drei Jahren als Piercerin und hat schon einiges erlebt. „Die Leute lassen sich eigentlich alles piercen.“ Das für sie ungewöhnlichste Piercing war eine „Bridge“, ein Schmuck der über der Nase, zwischen den Auge, durch die Haut gestochen wird.

Die knapp 20 Tätowierer in der Jabelmannhalle leisten Schwerstarbeit. Es wird entworfen, verworfen, vorgemalt und wieder weggewischt. Die Wünsche des Einzelnen sind sehr individuell. Aber eines haben alle gemeinsam: Für sie ist ein Tattoo ein ganz besonderer und individueller Körperschmuck.

Weitere Fotos von der Tattoo-Convention finden Sie unter:

Von Meike Bornemann

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