GDL: Erste Lokführer steigen aus

In Streikzeiten überfüllte Pendlerzüge von Hamburg nach Uelzen, in denen die Fahrgastbetreuer die Wut der Kunden abbekommen – dieses Szenario sorgt zusehends für ein vergiftetes Betriebsklima beim Metronom. Foto: dpa

Uelzen. Die einen fahren Doppelschichten, die anderen melden sich vom Dienst ab und bleiben zu Hause. Zehn Mal war das mittlerweile schon so, zehn Mal hat die Lokführer-Gewerkschaft GDL beim Metronom zum Streik aufgerufen – der längste dauerte eine Woche.

Und für die Belegschaft ist die Situation längst unerträglich geworden, „diese Streiks beschädigen unser Betriebsklima und sind für alle eine enorme Belastung“, sagt der kaufmännische Geschäftsführer Wolfgang Birlin.

Ob in der Leitstelle, wo die restlichen noch fahrenden Züge koordiniert werden, im Kundenzentrum, wo die Telefone nicht mehr stillstehen, oder in den Zügen selbst, in denen die Fahrkartenkontrolle für die Fahrgastbetreuer zum Spießrutenlauf wird. Mit Spannung warten die Mitarbeiter jetzt, ob die GDL das Angebot des Metronom zu einer Schlichtung annimmt – denn zumindest während eines solchen Verfahrens würde es keine Streiks geben.

Doch nachdem die Geschäftsführung des Metronom der Lokführer-Gewerkschaft dieses Angebot am Montag unterbreitet hat, stellte die GDL gestern Bedingungen für ein solches Verfahren, die wiederum die Eisenbahngesellschaft nun prüft. Das Eis ist dünn, niemand will diese Möglichkeit platzen lassen und dann als Buhmann dastehen bei den Fahrgästen, die schon lange die Nase voll haben von diesem Tarifstreit.

Dabei stellt sich die Frage, welche Lösung denn bei einer Schlichtung überhaupt gefunden werden soll. Denn, anders als bei Lohnforderungen, können nicht beide Seiten aufeinander zugehen und sich dann in der Mitte treffen. Die GDL verlangt ultimativ, dass Metronom einen Bundesrahmen-Tarifvertrag unterzeichnet, der bundeseinheitlich für alle Lokführer gilt, und außerdem einen Betreiberwechsel-Tarifvertrag abnickt, der Lokführer vor einem Gehaltsverlust schützen soll, wenn eine Streckenausschreibung an einen Konkurrenten verloren geht.

Beides aber lehnt Metronom kategorisch ab. „Die Unterzeichnung des Betreiberwechsel-Tarifvertrages wäre das Ende des Metronom“, sagt der neue technische Geschäftsführer Heinrich Strößenreuther im Gespräch mit der AZ. „Alle Entwicklungen würden damit zunichte gemacht, der Wettbewerb auf der Schiene in Deutschland wäre dann tot und die Deutsche Bahn könnte die Preise wieder hochschrauben – ohne dass sich etwas für die Lokführer verbessert.“ Denn dieser Vertrag bringe keinen Schutz für die Lokführer: „Das ist ein Irrglaube“, so Strößenreuther.

Die Geschäftsführung setzt jetzt nach eigenen Angaben verstärkt auf Aufklärung innerhalb des Unternehmens und intensive Öffentlichkeitsarbeit. So sind für heute Abend Bürgermeister der vom Metronom-Strei betroffenen Städte zu einem Hintergrundgespräch eingeladen, aus Uelzen wird der Erste Stadtrat Jürgen Markwardt in die Hansestadt fahren.

Derweil geht der Riss beim Metronom nicht nur quer durch die Belegschaft, auch unter den Lokführern selbst ist die Stimmung gereizt. Die einen streiken, die anderen fahren, bauen massiv Überstunden auf und fühlen sich auch schon mal von den streikenden Kollegen gemobbt. Und nicht jeder steht offenbar hinter der Streik-Taktik der GDL: „Fünf Mitarbeiter von uns sind zwischenzeitlich aus dieser Gewerkschaft ausgetreten, darunter drei Lokführer“, sagt Geschäftsführer Strößenreuther

Von Thomas Mitzlaff

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare