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Gaspreis für Uelzener steigt um das Sechsfache

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Von: Norman Reuter

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Heizung aufdrehen oder doch auf niedrigem Niveau stehen lassen? Das werden sich Menschen angesichts der Gas-Preise mit Beginn der kalten Jahreszeit fragen.
Heizung aufdrehen oder doch auf niedrigem Niveau stehen lassen? Das werden sich Menschen angesichts der Gas-Preise mit Beginn der kalten Jahreszeit fragen. © DPA

Die Uelzener Stadtwerke haben in dieser Woche Briefe mit der Ankündigung verschickt, dass im Basis-Tarif der Preis für Gas zum 1. Oktober noch einmal deutlich steigt. Nach Angaben des Unternehmens wird er dann bei 35,34 Cent pro Kilowattstunde liegen. Das ist das Sechsfache des Betrages, der noch zu Beginn des Jahres 2021 zu zahlen war. 

Uelzen/Landkreis – Ralf Ritter findet deutliche Worte: „Der Grad der Verzweiflung hat zugenommen.“ Ritter kümmert sich für die Caritas um Schuldner in Stadt und Landkreis Uelzen, berichtet von „Notrufen“ in den zurückliegenden Wochen, was für die Sommerzeit untypisch sei, wie er sagt.

Menschen stünden, wie der Schuldnerberater sagt, verstärkt vor der Zahlungsunfähigkeit – „sonst noch bestehende Spielräume sind wegen der gestiegenen Preise nicht mehr vorhanden“, so Ritter. Neben den Preisen für Lebensmittel und Benzin sind es vor allem jene für Energie, die Menschen unter Druck setzen.

In Zahlen: Der Arbeitspreis bei den Uelzener Stadtwerken im Basis-Tarif (Grund- und Ersatzversorgung) betrug zum ersten 1. Januar des vergangenen Jahres 5,75 Cent brutto je Kilowattstunde. Aktuell liegt der Betrag bei 15,55 Cent. Dabei bleibt es nicht.

Ist das kommunale Unternehmen für das Stadtgebiet zuständig, versorgt die SVO Kunden im Landkreis mit Gas. Bei der SVO richten sich Preise nach Verbräuchen: Beispielsweise bei einem Verbrauch von 4000 bis 12 000 Kilowattstunde lag der Preis zu Beginn 2021 bei 6,97 Cent, und aktuell in der gleichen Verbrauchskategorie bei 9,50 Cent – jeweils brutto.

Die SVO gehen davon aus, dass es bedingt durch die „angespannte Marktsituation“ zu höheren Preisen kommen wird. Die Stadtwerke Uelzen sind da bereits einen Schritt weiter: In dieser Woche haben Kunden Post erhalten. Ab 1. Oktober wird der Betrag im Basistarif bei 35,34 Cent pro Kilowattstunde liegen. Darin enthalten sind die von der Bundesregierung zuletzt auch beschlossene Gasumlage, eine Gasspeicherumlage sowie auch eine Umsatzsteuer von 19 Prozent.

Markus Schümann, Geschäftsführer der Uelzener Stadtwerke, rät den Menschen im Kundenmagazin, das nächste Woche herausgegeben wird, dazu, alle Einsparmöglichkeiten zu nutzen, auch damit ausreichend Gas über den Winter zur Verfügung steht. Außerdem ruft das Unternehmen dazu auf, dass all jene, „die jetzt schon absehen können, dass sie in finanzielle Schwierigkeiten geraten könnten, sich rechtzeitig mit den entsprechenden Hilfsstellen in Verbindung setzen“.

Das wäre etwa die Schuldnerberatung der Caritas für Uelzen und Lüchow-Dannenberg. Oder die Kirchensozialarbeit im Kreis Uelzen, die sich um Hilfesuchende in prekären Lebenssituationen kümmert. Tanja Mainz von der Kirchensozialarbeit erlebt zurzeit – anders als Ralf Ritter von der Schuldnerberatung – noch keinen verstärkten Zulauf oder dringende Hilferufe. Für sie ist das aber nur eine Frage der Zeit.

Sie und ihre Kollegen rechnen mit Hilfegesuchen spätestens Ende Oktober oder November. Für ihre Arbeit dann entscheidend: Zum einen sollten alsbald die Hilfsangebote von der Politik klar definiert sein. „Zurzeit gibt es noch viele Fragezeichen.“ Und die Hilfesuchenden sollten ihrerseits auch klar benennen können, was sie benötigen.

Tanja Mainz richtet sich auch an die Betroffenen, die womöglich versuchen, die die kalte Jahreszeit durchzustehen, obwohl sie vor argen Problemen stehen: „Falscher Stolz ist nicht angebracht.“ Keiner solle durch das Raster fallen, weil er sich nicht gemeldet habe.

Auch erst, wenn sich tatsächlich all jene zu Wort meldeten, die Hilfen benötigen, werde auch der Unterstützungsbedarf in Deutschland deutlich. Ansonsten komme es zu einem verzerrten Bild, bei dem womöglich die Entscheider zu dem Ergebnis kommen, weitere Hilfen seien nicht nötig.

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