Gas, Geld und große Pläne

Der Bau der Trockenfermentations-Anlage auf der Deponie Borg läuft derzeit auf Hochtouren. Ende des Jahres soll sie in Betrieb gehen, Gas erzeugen und dem Kreis-Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) finanzielle Erlöse bescheren. Foto: Ph. Schulze

Uelzen/Landkreis. Strom aus Fäulnisgasen erzeugen und dabei noch Geld sparen: Nach dieser Methode verfährt der Kreis-Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) auf seiner Deponie in Borg – und zwar sehr erfolgreich. Denn das vor etwa einem halben in Betrieb gegangene erste Blockheizkraftwerk auf dem Gelände zahlt sich schon jetzt finanziell für den AWB aus, berichtet Werksleiterin Renate König.

In der Anlage wird das Deponiegas, das auf belüfteten Kompost-Rotteflächen entstanden ist, in Strom umgewandelt, der anschließend ins öffentliche Energieversorgungsnetz geleitet wird. Bis zum 31. Mai, dem Tag der aktuell vorliegenden Statistik, hat der AWB nach den Worten von König schon mehr als 183 000 Kilowattstunden Strom eingespeist. „Mindestens genauso viel haben wir selbst verbraucht“, sagt sie.

In Zahlen ausgedrückt: Rund 16 000 Euro Einspeise-Vergütung hat der AWB bereits vom Netzbetreiber erhalten. Der Betrag, den der Abfallwirtschaftsbetrieb durch die Nutzung des selbst erzeugten Stroms gespart hat, liegt sogar noch höher. „Es hat sich voll gelohnt, das Blockheizkraftwerk in Betrieb zu nehmen“, bilanziert König daher zufrieden.

Neben der Deponiegas-Nutzung setzt der AWB noch auf eine weitere Quelle der Energiegewinnung in Borg: die Trockenfermentationsanlage, die derzeit gebaut wird und voraussichtlich Ende des Jahres in Betrieb gehen soll. In vier Garagen-ähnlichen Behältern wird durch das Vergären von Kompostmaterial Methan erzeugt, das der AWB zum Beheizen von Deponie-Gebäuden nutzen will. Zudem soll das Gas durch ein weiteres Blockheizkraftwerk, das noch gebaut wird, in Strom umgewandelt, der ins öffentliche Netz eingespeist wird. Nach den Worten von König belaufen sich die Investitionsko-sten auf etwa 3,5 Millionen Euro.

„Wenn das zweite Blockheizkraftwerk in ein paar Monaten in Betrieb geht, sparen wir noch wesentlich mehr als durch das Deponiegas“, erklärt die AWB-Chefin. Sie rechnet mit jährlichen Erlösen aus der Stromeinspeisung von rund 300 000 Euro. Dadurch werde sich die neue Anlage schon nach wenigen Jahren rentieren.

Auch die Haushalte im Kreis Uelzen sollen langfristig davon profitieren. „Diese Investition führt nicht zu einer Erhöhung der Abfallgebühren, weil sie sich durch die erzielten Erlöse selbst trägt“, erläutert König. Und nicht nur das: Die erwarteten Einnahmen und die Energie-Einsparungen verbessern die Chancen, dass der AWB seine Restmüllgebühren, die zuletzt am 1. April erhöht wurden, mittelfristig stabil halten kann. „Unser Ziel ist, dass diese Investition irgendwann zu einem Plus führt, das Kostensteigerungen an anderer Stelle auffängt“, betont Renate König.

Von Bernd Schossadowski

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